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Startseite » Archive für Dieter Holtheuer » Seite 4

HEXEREI IN WESTÖNNEN

4. Juni 2022 von Dieter Holtheuer

Anfang des 17. Jahrhunderts, von ca 1600 bis 1616, war Paul Mecklerus (Paulus Meclearius) Pfarrer der St. Cäcilia Gemeinde Westönnen. Leider sind aus dieser Zeit die Urkunden und Akten recht spärlich, so dass wir nur wenige Informationen aus dem Leben des Pfarrers haben.

Zur Zeit sind uns aus den Archiven in Münster und Köln, sowie aus der Literatur folgende Daten bekannt. Im sauerländischen Grevenstein ist Paul Mecklerus um 1570 geboren. Studiert hat er in Münster und erhielt dort auch die Tonsur und die Minores, also die niedrigen Weihen, sowie die Subdiakonatsweihe am 8. März 1596; die Diakonatsweihe folgte am 30. März 1596. Zur Priesterweihe gab es keine Hinweise aus Münster, vermutlich fand diese in Köln statt.

Aus den Weiheregistern des Bistums Münster 1593 bis 1674; von Wilh. Kohl, Münster 1991; geht hervor, dass Paul Mecklerus 1600 Pfarrer zu Busdorf in Paderborn und 1624 schließlich Pfarrer in Salzkotten war. Laut Rudolf Preising in seiner Schrift „Westönnen, Geschichte eines Kirchspiels und seiner Höfe im Kurkölnischen Amte Werl“ Münster 1977, war er Pfarrer in Westönnen von 1600 und 1616. Hierzu mein Beitrag bei WESTÖNNEN ONLINE vom 17. Februar 2005 „Ein neuer Westönner Pfarrer 1600“.

Was hat die ganze Geschichte nun, wie im Titel genannt, mit Hexerei zu tun?

Am 09. September 2012 habe ich bei WESTÖNNEN ONLINE folgenden Artikel veröffentlich: „Hexe Clara Fye und der Pfarrer von Westönnen“. https://www.westoennen.de/hexerei-in-westoennen/ Kurz zusammen gefasst handelte es sich um folgende Begebenheit: Der Westönner Pfarrer richtete 1616 einen Brief an den Rat und Bürgermeister der Stadt Sendenhorst im Münsterland. Er berichtete über eine Frau, Clara Fye mit Namen, aus Sendenhorst, die mit einem Mann aus Westönnen wegen „Freierei … im streite lag“. Die betreffende Frau wurde von dem Pfarrer quasi als „Hexe“ beschuldigt und angezeigt. Leider waren solche Beschuldigungen nicht nur grotesk, sie konnten für die Betroffenen tödlich sein.

Nun wurde in einer Schrift aus dem Stadtarchiv Soest ein zweites Ereignis zu diesem Thema entdeckt. Aus dem Schriftband:

Ludwig Rademacher: „Annales oder Jahr-Bücher der Ur-alten und weitberühmten Stadt Soest.“ Herausgegeben von Gerhard Köhn; Band 3 Stadtarchiv Soest 1999

erfahren wir:

Anno 1603

7. April ist ein hiesiger Soester Bürger, in der Sandwelle wohnend, den einige Lips Cassate, andere Floing nennen, mit seinen zwei leibhaft vom Teufel bessenen Töchtern nach Westönnen gelaufen und von dem Pfaffen daselbst bannen lassen. Der Exorzista tät sein Bestes und plagte den armen Teufel so lange bis er versprach, er wolle ausfahren, wenn ihm nur in des Mädchens Lumpen zu bleiben erlaubt sei. Er war des zufrieden, sagte: „Halt Gast die begehrten Lumpen, aber packe dich nun auch“. Diese Worte waren kaum gesprochen, so drehte der Teufel dem Mädchen, so auf dem Altar lag, den Hals um und sagte unter Anhören vieler Zuschauer: „Nun bin ich wieder in die alten Lumpen gefahren“.

Als der tote Körper zur Stadt gebracht, ließ Magistratus befehlen, ihn nicht auf dem alten Kirchhof, sondern draußen ohne Klang und Gesang zu verscharren. Der Vater, weil er wider des Rates Verbot und des Ministerii Warnung obiges tentiert, wurde mit Weib und Kindern aus der Stadt verwiesen.

Nach dieser Geschichte sind zum Stichwort „Exorzismus“ einige Erklärungen nötig. Exorzismus = Beschwörung und meint die Abwehr von Dämonen, ein im Namen Gottes an den Teufel gerichteter Befehl, Menschen oder Gegenstände zu verlassen bzw. sie in Ruhe zu lassen. Vollmacht und Exorzismus stammen von Christus. (Mk 1,25)

Der Exorzismus wurde meist von Priestern vorgenommen, die in der 3. Stufe der 4 niedrigen Weihen, einer Durchgangsstufe zur Priesterweihe entsprechend unterwiesen wurden. Die Beschwörung des Teufels sollte möglichst in der Kirche vollzogen werden. Dies erklärt auch, warum das Mädchen in der Westönner Kirche auf dem Altar(tisch) lag. Leider ist hier die Teufelsbannung, wie der Text von 1603 zeigt, nicht gelungen.

Die Hexenverfolgung war, anders als viele Menschen meinen, kein Phänomen des Mittelalters, sondern der Frühen Neuzeit.

Allein im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation fielen ihr mindestens 25.000 Menschen zum Opfer. Zu den frühen Gegnern der Hexenverfolgung zählte der Jesuit Friedrich Spee (1591-1635). Er hatte wesentlichen Anteil am Ende der Hexenverfolgung.

Hinweis: „Du Hexe! Opfer und ihre Häscher“

Unter diesem Titel zeigt das Sauerland Museum Arnsberg zurzeit eine Sonderausstellung, die mehr als ein Rückblick auf die Hexenverfolgung im Herzogtum Westfalen ist. (bis September 2022)

Quellangaben

“ Titelblatt der Schrift:  Gerichtsbarkeit im kurkölnischen Sauerland“                

Herausgeber: 1984 Schieferbergbau-Heimatmuseum Schmallenberg-Holthausen

Bildquelle: aus dem o.g. Buch Gerichtsbarkeit im kurkölnischen Sauerland, Titelbild und aus S. 243

Kategorie: Allgemein, Aus alten Tagen, Geschichte, Historie Stichworte: Archiv, Hexerei, Mecklerus

Brandprozession Westönnen 2022

31. Mai 2022 von Dieter Holtheuer

Nach zweijähriger Unterbrechung (Pandemie) wurde am Tage Christi Himmelfahrt die traditionelle gelobte Brandprozession der St. Cäcilia-Gemeinde abgehalten.

Sie erinnert, wie seit Jahren, an den großen Brand in Westönnen von 1829. Der Feiertag begann mit dem Gottesdienst mit Pastor Tilles in der Schützenhalle. Die Kirche ist zurzeit wegen Renovierungsarbeiten geschlossen.

Unter großer Beteiligung der Gemeinde wurde an den vier Stationen um Gottes Segen gebetet und gesungen, leider ohne Geistlicher Begleitung.

Durch den Gottesdienst in der Schützenhalle musste der Prozessionsweg etwas umgestaltet werden. Die sonst letzte Station, Ecke Breite Straße-Hellweg, wurde nun als erste besucht. Die drei weiteren folgten im normalen Rhythmus. Wie immer, waren die vier Stationen schön gestaltet und mit Frühlingsblumen reichlich geschmückt.

Die Mühlenbach-Musikanten haben den Gottesdienst und die Prozession musikalisch begleitet.

Kategorie: Allgemein, Gemeinde, Kirche Stichworte: Brandprozession, Fronleichnam, Gelübde, Prozession

Fußwallfahrt der kfd Westönnen 2022

5. Mai 2022 von Dieter Holtheuer

Wie in jedem Jahr ist die kfd-Westönnen Anfang Mai ihre traditionelle Wallfahrt nach Werl gegangen. Es war die erste Wallfahrtsgruppe, die nach der offiziellen Eröffnung der Wallfahrtszeit am 01. Mai nach Werl pilgerte.

Die Westönner Frauengruppe wurde vom Wallfahrtsleiter Dr. Gerhard Best mit herzlichen Worten empfangen. Auch das festliche Hochamt und die anschließende Andacht hielt Dr. Best. Mit dem feierlichen Schlußsegen entließ er die Pilgerinnen auf den Rückweg nach Westönnen.

Anmerkung: Am 29. Mai 1945 wallfahrtete die Westönner Frauengemeinschaft, mit 230 Teilnehmerinnen, zum ersten Mal wieder nach dem Krieg, zur „Mutter der Betrübten“.

Kategorie: Gemeinde, Geschichte, KFD, Kirche Stichworte: Basilika, kfd, Kirche, Wallfahrt

„Singt Völker, singt und freuet Euch…….“

28. Dezember 2021 von Dieter Holtheuer

Auch in diesem Jahr möchten wir, wie 2019 und 2020, Ihnen/Euch  wieder ein Weihnachtslied in Plattdeutscher Sprache, vorstellen. Es handelt sich um das Lied „Singt Völker, singt und freuet Euch…….“   Geistlicher Rat und Pfarrer Richart Luig, gebürtig aus Mawicke, hat auch dieses Lied in Bördeplatt „übersetzt“.

Singt, Völker, singt und freuet euch……..

Singt, alle Völker op der Är!

Iut häogem Hiemel uese Här

ies tau ues henne kuemen!

Biu gräot, ao Här, ies duine Huld:

schwaor lach op ues de Sünnenschuld,

diu hiäs se wiäg ues nuemen!

Vui sind düör duine Macht niu frui

dat danket fräoh di alle Luie

un luowet duine Stiärke.

Vui gloiwet dat duine Gaoist et iest

dai ues de lichten Wiäge wist,

füör alle gueren Wiärke.

Kategorie: Allgemein Stichworte: Allgemein

Obstdiebstahl

5. November 2021 von Dieter Holtheuer

Am 22.10.2021 hat WESTÖNNEN ONLINE über die Garten- und Feldfruchtdiebstähle im September 1946 berichtet. Zum gleichen Thema hier nun eine weitere interessante Geschichte aus dem Jahre 1948.

Der Landwirt Theodor Nieder (1878 – 1973) an der heutigen Bundesstraße, hatte in seinem Garten und Obsthof ein kleines Gebäude errichtet. Hier sollte durch eine Aufsichtsperson die Überwachung des Obsthofes erfolgen, um Obstdiebe abzuschrecken.

Die Baumaßnahme wurde durch den Westönner Polizeiposten dem Werler Bauamt gemeldet, da er der Ansicht war, dass diese Maßnahme genehmigungspflichtig sei.

Es erfolgt ein Schriftwechsel der sich ca. eineinhalb Jahre, von April 1948 bis zum Oktober 1949 (Ausstellung des Bauscheins), zwischen Landwirt Nieder, Bauamt, Kreisbauamt und letztlich Staatshochbauamt hinzog.

Dem Amtsschimmel sei Dank!

Kategorie: Allgemein, Aus alten Tagen, Geschichte, Historie Stichworte: Allgemein, Aus alten Tagen, Geschichte, Historie

Kartoffel – Order vor 150 Jahren

27. September 2021 von Dieter Holtheuer

Die Übersetzung des Umschlages

Herrn Verwalter Franz Wegenner Ufeln bei Werl

Am 27. Oktober 1867 erhält der Verwalter zu Uffeln bei Werl aus Barmen folgende Bestellung:

Übersetzung des Briefinhaltes:

Herrn Verwalter Wegenner

Barmen 27 / 10 67

Erlauben Sie. Wollen Sie so –

freundlich sein mir den Morgen

Kartoffeln überlaßen. So will ich

Sie sofort Geld und Säcke schicken.

Ich bitte um umgehende Antwort.

Achtungsvoll grüßt

C. H. Petersmann

Freigemacht ist der Brief mit einer der ersten Freimarke in Preußen. Ausgabe 01.10.1861 ; 1 Silbergroschen – Preußischer Adler im Oval.

Kategorie: Allgemein, Geschichte, Historie Stichworte: Allgemein, Geschichte, Historie, Kartoffel

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