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Startseite » Archive für Dieter Holtheuer » Seite 5

Doppelhochzeit von 100 Jahren

23. April 2021 von Dieter Holtheuer

Braut, Bräutigam und Trauung mal zwei ist ein nicht alltägliches Ereignis. Dies geschah aber vor fast genau 100 Jahren in Westönnen. Zwei Geschwister aus Westönnen gaben sich in der hiesigen Pfarrkirche das Ja-Wort.

Am 20. April 1921 fand also eine sogenannte Doppelhochzeit statt. Die Geschwister Elisabeth und Eberhard Luig-Kaune aus der Kirchstraße, 25 und 24 Jahre alt, Kinder des Landwirts Ferdinand Luig-Kaune und seiner Frau Anna geborene Hollmann, waren die glücklichen Brautleute.
Elisabeth ehelichte den Landwirt Franz Christian Vogelsang aus Sintel bei Wiedenbrück, Sohn des Bernhard Vogelsang und der Christina Heihaus.

Eberhard heiratete die Maria Menne aus Liesborn. Sie war die Tochter des Landwirts Gerhard Menne und der Anna Senger. Es war sicherlich eine große Bauernhochzeit mit sehr vielen Gästen.

Von dieser Feier ist ein interessantes Schriftstück erhalten geblieben. Es handelt sich um ein kleines Liederheft mit zehn Liedern, die auf der Hochzeitsfeier gesungen wurden.

Die einzelnen Lieder waren betitelt:

Hochzeitshymne – Dem Brautpaare – Den Eltern – Den Gästen – Den Damen – Junggesellenlied – Trinklied – Westfalenlied – Abschied vom Brautpaar – Schlußkantus.

Kategorie: Aus alten Tagen, Historie Stichworte: Aus alten Tagen, Historie

Karneval in Westönnen vor 142 Jahren

11. Februar 2021 von Dieter Holtheuer

Schon 1879, vor 142 Jahren, wurde in Westönnen vielleicht das erste Mal Karneval gefeiert.

Dies berichtet uns eine interessante Anzeige im CENTRAL-VOLKSBLATT für den Regierungsbezirk Arnsberg vom 22. Februar 1879. Die erste närrische Sitzung sollte am gleichen Tag um acht Uhr beginnen. Gefeiert wurde im Saal des Herrn Wulf. Es handelt sich hier um einen Vorbesitzer der heutigen Gaststätte Hagen.

Das Motto der Westönner Karnevalisten lautete:

„Keiner draf no achte kummen,

süs wät vom Narren übel nommen.“

Auf gut Deutsch heißt das: „Keiner darf zu spät oder nach acht Uhr erscheinen, sonst wird es einem von den Narren übelgenommen. Alle sollen pünktlich sein.“ Die Damen hatten sogar freien Eintritt.

Übrigens: Das CENTRAL-VOLKSBLATT erschien erstmalig am 1. Januar 1856 mit einer Auflage von 3000 Stck für den Regierungsbezirk Arnsberg. Gegründet und verlegt wurde die Zeitung von dem Werler Buchhändler Anton Stein.

Kategorie: Alte Bilder, Aus alten Tagen, Historie Stichworte: Alte Bilder, Aus alten Tagen, Historie

Ansichtskarte Ostönnen

2. Februar 2021 von Dieter Holtheuer

Heute möchten wir einmal eine Postkarte aus unserer Nachbarschaft vorstellen. Es handelt sich um unsere östliche Nachbargemeinde Ostönnen.

Die Bildseite zeigt uns vier kolorierte Motive aus Ostönnen. Es handelt sich um den Kleinbahnhof, die Molkerei und das Pastorat; sowie die Ringofenziegelei W.Berghoff.

Eine Elisabeth sendet die herzlichen Grüße am 28. April 1900 an Christin Barth in Elberfeld – Hofkrug.

Interessant ist die Abstempelung. Sie erfolgte nicht in Ostönnen, sondern in Elberfeld.

Kategorie: Allgemein, Alte Bilder, Historie Stichworte: Allgemein, Alte Bilder, Historie

Westönner Ansichtskarte von 1907

27. Januar 2021 von Dieter Holtheuer

Heute möchten wir eine alte Postkarte von Westönnen, geschrieben im Jahre 1907, vorstellen.

Am 25. September wurde sie in Westönnen aufgegeben und erreichte bereits einen Tag später ihren Bestimmungsort Metz in Lothringen. Metz gehörte derzeit noch bis 1918 zu Deutschland. Man beachte die kurze Laufzeit der Karte!

Die Postkarte zeigt uns drei kolorierte Motive von Westönnen. Erstens die 1904 erbaute Schule mit Lehrern und Schulkindern. Im Hintergrund die Kirche und den Hof Grae. Zweitens die 1889 erbaute Molkerei. Und letztlich das Gast- und Geschäftshaus Kappen westlich der Pfarrkirche.

Leider ist die Schrift der Karte mit Bleistift geschrieben, verblichen und schwer lesbar. Trotzdem ist noch folgendes zu entziffern.

Auf der Anschriftseite:

Herrn

Wolfgang Schnuldt

Hochwohlgeboren

Metz

Kaiser Wilhelms Weg Nr.13

Auf der li.Seite steht: Lebe Wohl und darunter Auf Wiedersehen

Auf der Bildseite:

Oberhalb der Bilder Gruß an Maria

Lieber Wolfgang

Ich habe Luig erst besucht.

Deine Grüße habe ich bestellt.

Es grüßt Franz Rehagen.

Die herzlichten Grüße von

Ihrem früherem Burschen F. Luig

Kategorie: Allgemein, Historie Stichworte: Allgemein, Historie

Bahnhofsbau in Westönnen 1901

10. Januar 2021 von Dieter Holtheuer

Dieter Holtheuer hat im Landesarchiv NRW Abt. Rheinland; unter Bahndirektion Essen BR 1200/Nr. 906-907; diese interessanten Zeichnungen entdeckt. Die Bauzeichungen zeigen das Empfangsgebäude und den Güterschuppen für die Haltestelle Westönnen.

Aus diesem Anlass veröffentlichen wir an dieser Stelle den Text aus dem Werk „HEIMATBUCH DES KIRCHSPLELS WESTÖNNEN“ von Heinrich Westhues 1966/S.31-32:

„In den Jahren 1853 und 54 wurde die an Westönnen vorbeiführende Eisenbahn Unna-Werl-Soest als „Bergisch-Märkische Eisenbahn“ gebaut und am 9. Juli 1855 in Betrieb genommen. Bei den Bewohnern der an der neuen Eisenbahnstrecke gelegenen Städte und Dörfer herrschte über die nunmehr so bequeme Gelegenheit zum Reisen große Freude. Alle gingen daran, da die Eisenbahnverwaltung für den Bau eines Bahnhofsgebäudes einen Zuschuß von der Stadt bzw. dem Dorf forderte, diesen beizeiten aufzubringen, damit auch ihr Ort Haltestelle werde. Einige Westönner schienen dafür keinen Sinn zu haben. „Man wollte das Dorf vor fremden und bösen Einflüssen bewahren.“

Erst in den Jahren 1898/99 gelang es den Bemühungen das damaligen Vorstehers Kaspar Kerkhoff trotz der hier und da bestehenden Abneigung, die Mittel aufzubringen. Am 3. Februar 1898 wurde eine Liste zur freiwilligen Spende aufgelegt. 70 Personen zeichneten 6645 Mark, die die Gemeindevertretung auf 6700 Mark erhöhte. Außerdem bewilligte sie noch 8000 Mark und nahm 1899 ein Darlehen in Höhe von 16700 Mark bei der Sparkasse der Ämter Werl und Bremen zu 4 Prozent Zinsen und 1 Prozent Amortisation auf.

Oberbergstraße erklärte sich bereit, einen Beitrag von 2000 Mark zu leisten, wenn ein direkter Fußweg von dort zum neuen Bahnhof durch die Westönner Gemeindewiesen angelegt würde. Dem stand nichts im Wege. Auch die erforderlichen Grundstücke für die Bahnhofsanlage wurden von der Gemeinde Westönnen zur Verfügung gestellt.

Nach vielen persönlichen Bemühungen und eingehenden Schriftstücken über die Notwendigkeit und Rentabilität des Bahnhofs und die Bereitwilligkeit der Gemeinde in der Kostenfrage wurde der Bau der neuen Haltestelle für den Personen- und Güterverkehr Ende 1899 von der Königlichen Eisenbahndirektion Elberfeld genehmigt. Sofort ging man ans Werk, und Mitte September 1901 waren die Bauarbeiten beendet. Bauunternehmer war Buchgeister in Westönnen. Am 1. Oktober desselben Jahres hielten zum erstenmal planmäßig die Personenzüge auf dem neuen Bahnhof.

Es war ein großer Tag für Westönnen. Ein jahrelanger Wunsch der Gemeinde, der mit großen Opfern erkämpft war, hatte sich erfüllt.

Der erste Fahrgast, der auf dem Bahnhof Westönnen seinerzeit ausstieg, war Franz Plattfaut, der nach beendeter Militärdienstzeit als Reservist mit dem üblichen Reservestock und mit Blumen geschmückt, in seinen geliebten Heimatort Westönnen zurückkehrte.“

Kategorie: Allgemein, Historie Stichworte: Allgemein, Historie

Am krummen Rücken und Fillekuhle

13. Dezember 2020 von Dieter Holtheuer

In Westönnen gibt es einige Straßen deren Namen manchem Bürger Rätsel aufgeben. Wir lesen unter anderem Straßenschilder, wie zum Beispiel: Am Teekamp, Am Humpertspfad, Elwieden, Mummelstraße oder Auf’m Hackenfeld. Bei der Breite-, West- und Oststraße ist die Namensgebung recht klar.

Im allgemeinen weisen die Bezeichnungen auch auf Flur- und Gewässernamen oder auf Personen- und Familiennamen hin. Auch Bäume, Pflanzen und diverse Ereignisse werden eingesetzt.

Zitat (Feldmann/Lefarth): „Straßen haben etwas Faszinierendes. Sie verbinden, sie trennen, sie führen, sie sind Orientierungshilfen, sie können zum Ziel oder in die Irre führen.“

In diesem Beitrag möchten wir ausführlich über die Geschichte der Westönner Straße – Am krummen Rücken – berichten. Geographisch zweigt sie von der Weststraße zwischen der alten Molkerei und der Firma Dreimeister nach Westen in die Westönner Flur ab.

Hugo Schoppmann schreibt in seiner Darstellung: „Die Flurnamen des Kreises Soest“ 1940: Auf’m krummen Rücken; op’m krummen Rüggen = früher ein gekrümmtes Ackerstück. In „Straßennamen der Stadt Werl“ 2003, von Burkhard Feldmann und Josef Lefarth heisst es: Die Bezeichnung weist auf die Form eines Flurstückes hin, das nicht winkelig begrenzt, sondern krumm ist.

Beide Deutungen können die Geschichte dieses Straßennamens nicht ganz erfüllen. Alte Urkunden belegen die Existenz des Namens bereits seit 1688. Im Urkataster von 1828 wird in der Flur X, westlich von Westönnen gelegen, ein Landstreifen mit dem Namen „am krummen Rücken“ notiert.

Einige Nennungen erfahren wir von Belegen aus dem Archiv der Westönner Pfarrgemeinde. Offensichtlich hatte die Kirche eine Parzelle Land in der genannten Flur. Im Lagerbuch D von 1829 erscheint auf Seite 40/Absatz 15 folgender Eintrag:

„…Am krummen Rügge oder auf’m Moggenfeld in der Westönner Feldmark, Flur 10, Flur-Nr. 58; zwischen Wegeman und Keweloh gelegen; 1 Morgen u. 156 Ruthen…“

Aus dem Aktenband 2 des Pfarrarchivs erfahren wir aus einer Aufstellung von 1777/78 etwas über jährliche Einkünfte, Renten und Gefälle des Pastorats. Hier heißt es 1777:

„…1 ½ Soest-Morgen, Am Poete (Pforte) v (=vulgo=genannt) Krummen rüge bestehend in einem langen stücke nahe an der westpforten stoßend einerseits an Wegmans und Kevelohes, und anderer seits allein an Kevelohes, notiert sub. Lit S. Hat der Schmied Kneer zu Westönnen in Pacht für jährlich 3 Reichsthaler u. 30 Stüber…“

Bei dem Pächter Schmied Kneer handelt es sich um Philipp Kneer, der Eingesessener und Schmied zu Westönnen war. 1749 wird er als Sohn von Johann Kneer und Anna Theodora Henning geboren. 1773 heiratete er die Anna Elisabeth Frohne aus Ruhne. Seine 1778 geborene Tochter Anna Maria heiratet 1812 den Schmied Johann Gerhard Wilhelm Stratmann aus Nordherringen. Später hatte er auch das kirchliche Pachtland von seinem Schwiegervater übernommen. Erwähnt werden muss noch, dass die Mutter von Philipp, Anna Theodora Henning, aus der in Westönnen lange bekannten Schmiededynastie Henning stammt.

Im Band 1 unter Punkt 2 „Varia“(=Verschiedenes) erfahren wir über die Neuvermessung der von Mengedeschen Ländereien (die Familie von Mengede war Besitzer des adligen Hauses Westönnen) in Soester Maß von 1710, auf Seite 11/Pos.32:

„…In den krummen rüggen, oder krummen Äckeren zwey rüggen, schießen (=grenzen) Osten auff Rinhoffß Landt zu Westönnen, undt Westen auff einen graben, undt dazu gehörigen rüggen auch Mengedeschen Landes, liggen ins Süden zwischen Kaunen undt Kerckhoffß daselbsten, Ins Norden aber zwischen H(err)n Wilhelm Albert Papen zu Werl Landereyen, undt halten diese beide rüggen…“

Schließlich: Die älteste Nennung erfahren wir aus dem Lagerbuch von 1688. Hier verkaufen 1684 Pastor Melchior Linnemann und die Kirchenprovisoren Jacob Müller und Johann Hagen dem Johann Rudolf Hoiynck, Richter im Amt Balve, und seiner Frau Clara Elisabeth Herzhagen:

„…unsere fünff Morgen Erblandes; drey im Krummen Kampff am Rides graben, undt die anderen zwey an den Tönner Berken (Birken)gelegen…“

Was sagt uns nun „krummer Rücken“ wörtlich? Hier der Versuch einer Deutung. Man könnte meinen, dass die Bezeichnung von der schweren Arbeit der damaligen Landwirte stammt und diese davon einen krummen Rücken bekamen. Oder, wie am Anfang beschrieben es ein krummes oder nicht winkliges Ackerstück war. Handelt es sich etwa um ein ehemaliges altes Flächenmaß? Die Gebrüder Grimm bzw.deren nachfolgende Schreiber notieren in dem Wörterbuch von 1893 u.a. „…rücken eines Ackers, der mittlere, sich in die länge erstreckende erhabene Theil, auch ein zwischen zwei furchen eingeschlossener ganzer acker heiszt wol rücken. Oder „ rügge, rüggen, ein langgestrecktes ackerstück, gewöhnlich 1 morgen grosz…“

Folgt man der Straße „Am krummen Rücken“ in Richtung Westen so liegt nach ca 150m auf der linken Seite ein interessantes, heute bebautes, Grundstück. Es hat die Form eines spitzwinkeligen Dreiecks. Bis Ende des 19. Jahrhunderts lag hier die sogenannte Westönner Fillekuhle. In anderen Landstrichen Westfalens nennt man sie auch Schinderkuhle. Verendetes Vieh wurde in diesen Kuhlen vergraben. In der westfälischen Literatur wird dies mit: fillen = schinden = Fell abziehen; definiert.

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