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Startseite » 100 Jahre Schützenhalle – Teil 1: Die Jahre 1924-1949

100 Jahre Schützenhalle – Teil 1: Die Jahre 1924-1949

7. Juni 2025 von Tobias Baumann

Im Jahre 1924 fassten die Vorstandsmitglieder Heinrich Rienhoff, Heinrich Vogelsang, Franz Keweloh, Kaspar Hering, Ferdinand Düser und Franz Grothe den kühnen Entschluss, eine Schützenhalle zu bauen. Nach vielem Für und Wider unter der Westönner Bevölkerung wurde im Mai des Jahres 1925 der Grundstein zur Halle gelegt. Am selben Tage bewegte sich ein interessanter Schützenzug durch die Straßen des Dorfes: voran die Musik, dann folgten ein von vielen Schützenbrüdern gezogener Handwagen mit dem Grundstein und dann viele Gespanne mit Bruchsteinen. Schützen und Wagen waren buntbekränzt. Jeder Schützenbruder tat nun das Seinige, um den Bau schnell zu fördern.

Der damalige Vorsteher Hubert Kerkhoff überließ der Schützenbruderschaft unentgeltlich die Bausteine aus seinem Steinbruch. In den Feierstunden waren viele Schützenbrüder dabei, den Abraum wegzuschaffen und Steine zu brechen, andere stellten ihr Gespann zur Verfügung und wieder andere halfen auf der Baustelle. Auch finanzielle Opfer wurden gebracht. Die meisten Schützenbrüder zeichneten einen oder mehrere Anteile zu je 25 Mark. So legten alle gern und freudig Hand ans Werk, und 1925 konnte das Schützenfest schon in einem Teil der Halle gefeiert werden.

1926 war der Rohbau fertig und 1927 erhielt die Halle einen Fußboden und 1928 Tische und Bänke. Ein Drittel der Räumlichkeiten wurde mit Holzwänden abgekleidet und als Jugendheim eingerichtet, denn der Pfarrjugend stand kein anderer Raum zur Verfügung. Hier hielt sie ihre Versammlungen ab, hier veranstalteten sie und andere Vereine die üblichen schönen Theaterabende und Feste. Während des zweiten Weltkriegs bis 1945 wurde kein Schützenfest gefeiert. Die Schützenhalle war von der Heeresverwaltung für die Unterbringung einer fliegertechnischen Vorschule und einer Werkstatt beschlagnahmt. Den damaligen Machthabern waren religiöse Bruderschaften ein Dorn im Auge, sie wurden in Vereine „umgetauft“ und der Brudermeister wurde „Führer“. Wahrscheinlich sollte durch die Beschlagnahme der Schützenhalle im Jahre 1939 die Bruderschaft zur Auflösung gezwungen werden, denn es standen dann keine großen Räumlichkeiten mehr zur Verfügung. Bereits 1941 konnte in Ermangelung der Räume keine Versammlung abgehalten werden.

Flugzeugschüler, Lagerräume etc.. Hierdurch entstanden die ersten Schäden. Der an sich in schlechtem Zustand befindliche Boden hatte durch starke Luftentziehung sehr zu leiden. Nach Ende des Krieges sollte der Wiederaufbau starten. Unsere Halle hatte durch Artillerie-Beschuss teils schwere Schäden, insbesondere am Dach erlitten. Es folgten Plünderungen und Überfälle auf Halle und Wohnung. Starke Demolierungen und Abmontierungen der Halle begannen. Polen und Russen bemühten sich, die Halle zu belegen, welches dann an energischen Verhandlungen unseres Bürgermeisters scheiterte. Kurze Zeit diente die Halle als Auffanglager für die zurückströmenden Russen. Monatelang war sie dann Nachtaufenthaltsraum für die Rückwanderer aus den Westgebieten. Täglich konnte man neue Beschädigungen feststellen.

Mit Genehmigung der oberen Behörden schritt man dann zur Räumung der restlich lagernden Heeresbestände. Nun folgte eine Besichtigung nach der anderen durch die Besatzung. Als sich dann noch die finanziellen Nöte einstellten, beschloss der noch vorhandene restliche Vorstand, die Halle zu verpachten. Selbige wurde dann auf 3 Jahre vom 31.Dezember 1945 bis 31. Dezember 1948 an die Veltrup-Werke verpachtet. Die Verpachtung ist leider nicht so günstig ausgefallen wie geplant, da durch die Fabrikation von Zementwaren die Halle leider sehr in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Mit Ausbruch des Krieges wurde die Halle abwechselnd belegt, durch Militär, Arbeitskommandos, Lehrwerkstätten für Anfang September 1948 boten die Veltrup-Werke die Räumung des Jugendheimes (heute kl. Saal) an. Die Schützenbruderschaft nahm diesen Vorschlag gern an und fasste den Entschluss, Anfang Oktober 1948 ein Erntedankfest wieder in der Halle (Jugendheim) zu feiern.

Es standen nur 14 Tage zur Verfügung, um den kleinen Saal wieder in Ordnung zu bringen. Jetzt war die Dorfgemeinschaft gefragt. Der Sportverein half in den Abendstunden, Schützenbrüder entrümpelten die Bühnen und Kellerräume, dann waren die Handwerker gefragt: Fenster, Tische, Bänke, Rollwand, Fußboden, alles musste repariert werden. Die letzten Handwerker waren die Anstreicher und Elektriker.
Draußen musste der Vorplatz von Material geräumt werden, so dass bis in die Nacht die Trecker rollten. Bei Karbidbeleuchtung entstand das neue Kartenhäuschen und die Fa. Prinz stiftete das neue Tor am Eingang des Schützenplatzes. Diese gewaltige Gemeinschaftsaktion machte es möglich, dass am 1.Oktober 1948 unter Leitung der Schützenbruderschaft das Erntedankfest gefeiert werden konnte. Am Festtag gab es einen prächtigen Umzug durchs Dorf, an dem sich Bürgermeister, Reiterverein. Lehrerkollegium, Genossenschaft, Handwerker mit ihren Symbolen, Eisenbahner, Feuerwehr, Gesang- und Sportverein, sowie verschiedene Erntewagen etc. beteiligten. Im Jugendheim (kleine Halle) fand anschließend ein Festakt mit verschiedenen Vorträgen statt. Die Schützenbruderschaft und alle Gäste waren sichtlich erfreut, dass das Jugendheim wieder dem Dorf und insbesondere dem Vereinsleben zur Verfügung stand.

Die eigentliche Halle (großer Saal) war jedoch noch in sehr schlechtem Zustand. Schienen für Kippwagen lagen auf dem Boden, Maschinen für die Herstellung von Zementpfannen standen im Raum, Zement, Halb- und Fertigziegel waren aufgestapelt. Der Fußboden zeigte große Löcher, alles war verdreckt und dick mit Lehmstaub besetzt. Die Schützenbrüder waren sich einig, diesen Zustand so schnell wie möglich abzustellen, damit möglichst schon 1949 auch das Schützenfest wieder in der Halle gefeiert werden könnte. Der Vorstand appellierte an alle Mitglieder, trotz der schwierigen Lage finanzielle Opfer zu bringen, um die Schützenhalle wieder aufbereiten zu können. Auch bat er um Verständnis, dass kein Freibier ausgeschenkt werden könne, da man jeden Pfennig zunächst für die Renovierung und Einrichtung der Halle verwenden müsse. Der Vorstand ruhte nicht, um jetzt auch die Renovierung des großen Teils der Halle anzufassen. Ferner war man unablässig bemüht, die Vermögenssperre der Militär-Regierung und damit gleichzeitig die Treuhänderschaft zu beseitigen, wobei die Schützenbruderschaft durch den Bürgermeister, Herrn Josef Böhmer-Pieper und seinem Vorgänger, Herrn Heinrich Sasse, unterstützt wurde.

Um die anstehenden Renovierungsarbeiten angehen zu können wurde ein Darlehen der Thier-Brauerei aufgenommen und von den Schützenbrüdern wurden Schuldscheine gekauft. Der Geschäftsführer, Herr Paul Luhmann, hatte 600 Scheine a DM 5,- und 200 Scheine a DM 10,- drucken lassen, die eine Gesamtsumme von DM 5.000,- erbrachten. Die Aktion verlief so günstig, wie es selbst die größten Optimisten nicht erwartet hatten. Hiermit wurden die Anschaffung eines neuen Fußbodens, die dringend nötigen Anstricharbeiten und die Investition einer Lichtanlage finanziert. Diese Arbeiten wurden natürlich soweit möglich in Eigenleistung durchgeführt. Es ist festgehalten, dass in den Feierabendstunden täglich nicht weniger als 14 Sturzkarren Boden ausgehoben wurden. Nach dem Ausschachten wurde Asche angefahren und verteilt, wofür die Fa. Josef Hering Gerätschaften und Leute unentgeltlich abstellte. Dann setzten Maurer die Pfeiler, worauf die Balken zu liegen kamen. Von den Anstreichern wurden die Pfosten und Fußbodenbretter isoliert, um dauerhaft zu halten. Zum Schützenfest mussten auch die Wirtschaftsräume, Küche und Speisesaal fertig sein, besonders eine neue Lichtanlage wurde erforderlich. Zuletzt war natürlich auch ein neuer Anstrich nötig, angefangen vom Fußboden bis zur Musikbühne (über dem Haupteingang), Fenster, Küche, Speisesaal, Theken, Türen, Toiletten usw.. Die Türen mussten wieder schließbar und die Rollwand wieder gangbar gemacht werden. Hier müssten eine ganze Menge an Namen genannt werden, die an dieser Gemeinschaftsarbeit beteiligt waren. Davon wurde jedoch Abstand genommen und allen Helfern im Namen der Bruderschaft Dank gesagt. Festgehalten wurde jedoch im Jahresbericht, dass die schnelle Renovierung und der reibungslose Ablauf der Arbeiten ein Verdienst des Brudermeisters Heinrich Vogelsang und seines Adjutanten Franz Keweloh jr. war, die sich mit ganz besonderer Hingabe den zu bewältigenden Arbeiten widmeten. Erwähnt ist auch, dass es Bürgermeister und Stellvertreter zu verdanken ist, dass der Weg von der Straße bis zur Halle unentgeltlich asphaltiert wurde.

Die auswärtigen Besucher wunderten sich über die prächtige, in neuem Glanze wieder entstandene Schützenhalle in Westönnen. Das Schützenfest wurde dann am 16., 17. und 18.Juli 1949 erstmals wieder in unserer Schützenhalle gefeiert, wobei das Königsschießen noch mit der Armbrust auf dem Sportplatz erfolgte. Geschäftsführer Paul Luhmann konnte in der Generalversammlung am 10. April 1950 berichten, dass wenige Wochen zuvor durch gerichtlichen Beschluss der zuständigen Behörde in Celle das Vermögen der Bruderschaft von der Sperre befreit wurde und damit auch die Halle wieder in das Eigentum der Schützenbruderschaft übergegangen sei.

Text und Bilder: Schützenbruderschaft Westönnen

Kategorie: Schützenbruderschaft St. Sebastianus Westönnen Stichworte: 100 Jahre, Jubiläum, Schützenhalle

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