Laut Aufzeichnungen des Männer-Gesang-Verein „Cäcilia“ 1854 fand bereits vor dem 2. Weltkrieg im Jahr 1922 ein Gänseköppen statt. In den 1950er Jahren wurde diese Tradition von der Kolpingfamilie gepflegt. Das Gänseköppen fand zunächst mit der Kolpingfamilie Werl im Werler Stadtwald statt, später dann auf Haus Lohe.

Im Bild li.: Abmarsch zum Gänseköppen
Das Gänseköppen ist eine alte Volks- und Reitertraditon. Der Brauch entstand vermutlich aus einem ritterlichen Wettkampf, bei dem Geschicklichkeit, Mut und Stärke demonstriert werden sollte.
Für den Wettkampf wurde eine tote Gans mit dem Kopf nach unten in einem Korb oder frei an einem Seil aufgehängt.
Mit verbundenen Augen galoppierten Reiter auf Pferden darunter hindurch oder liefen Läufer mit verbundenen Augen darunter her und versuchten den Kopf der Gans mit einem Säbel abzuschlagen. Wer dies schaffte, war der „Gänsekönig“ und durfte die Kette des Gänsekönigs tragen. Die Kette des Gänsekönigs wurde dann jeweils durch eine Medaille des Gänsekönigs erweitert.
Nach einem Bericht der früheren Werler Tageszeitung „Beobachter an der Haar“ nahmen zeitweise über 3000 Zuschauer an der Veranstaltung teil. Als nicht mehr zeitgemäß wurde das Gänseköppen 1961 eingestellt.
Bericht: Johannes Müller
Zur Kette:
Die Kette vom Gänseköppen ist zum Glück noch in sehr gutem Zustand erhalten. Das Brustbein wurde in Handarbeit hergestellt. Auf der Vorderseite der Orden waren immer die Zunftzeichen der Berufe abgebildet, die die Gänsekönige ausübten. Die Gänsekönige und ihre Orden waren:

1: Friseur Fritz Schulte 1953/54; 2: Tischler Clemens Post 1955/56; 3: Tischler Richard Schröter 1950/51;
4: Bergmann Wilfried Grae; 5: Bahner Friedel Hering 1947/48; 6: Hufschmied Theo Hoffmann 1948/49;
7: Tischler Willi Schlummer 1949/50; 8: Maurer Helmut Bettenbrock 1954/55;
9: Friseur Klemens Westerhoff 1951/52; 10: Tischler Lothar Klose 1956/57