Sehr geehrte, liebe Freunde und Freundinnen der Ostönner Orgel,
wir laden Sie/Dich herzlich zum dritten Konzert des Ostönner Orgelsommers 2026 in der
St. Andreas Kirche in Ostönnen/Soest ein.
Am Samstag den 29. August, wie immer um 17:00 Uhr, gastiert der Organist und Cembalist Benjamin Steens aus Reims, Frankreich.
Er wurde in Bonheiden (Belgien) geboren und studierte Musikwissenschaft an der Universität Löwen sowie an der Universität Paris IV Sorbonne, wo er 1994 seinen Masterabschluss erwarb. Nach seinem Studium in der Klasse von François-Henri Houbart (Orléans) erhielt er 1999 seinen Ersten Preis für Generalbass in der Klasse von Béatrice Berstel am CNSM in Paris. Steens erhielt dort 2000 sein „Diplôme Supérieur de Formation d’Orgue“ in der Klasse von Michel Bouvard und Olivier Latry sowie 2003 das Cembalo-Diplom in der Klasse von Olivier Baumont. Er ist Titularorganist der großen Cattiaux-Orgel in der Basilika Saint-Remi in Reims. Außerdem ist er Dozent für Alte Musik am CRR in Reims und Dozent für Clavichord am MIMA Pianoforte der Sorbonne. Seit September 2020 ist er Dozent und Leiter der Abteilung „Historische Tasteninstrumente“ an der Académie Supérieure de Musique in Straßburg. Seine Diskografie umfasst mehrere CDs, die für das Label Epr-classic aufgenommen wurden. Seine Aufnahmen auf dem Clavichord: die Goldberg-Variationen von J. S. Bach (2010) und „Bach and Sons“, Sonaten für Flöte und obligates Tasteninstrument der Familie Bach mit Jacques-Antoine Bresch an der Traversflöte (2011), fanden großen Anklang beim Publikum und wurden von der internationalen Kritik hoch gelobt.
Er hat für das Ostönner Publikum ein schönes Programm im Gepäck. Es erklingen Werke von Cornet, van den Kerckhoven, De Macque, Frescobaldi und Philips: teilweise Werke die noch nicht in Ostönnen zu hören waren.
Brüssel, Schmelztiegel des Frühbarock – Ein Europa in Bewegung
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts verwandelte der Hof der Erzherzöge Albrecht und Isabella Brüssel in eines der glanzvollsten Kunstzentren Europas. Diplomaten, Maler, Architekten und Musiker strömten dorthin, angezogen von der Förderung der Herrscher. Zur selben Zeit, als Peter Paul Rubens aus Italien zurückkehrte, um Hofmaler zu werden, verbrachte der junge römische Organist Girolamo Frescobaldi mehrere Monate in den südlichen Niederlanden. Zwischen Brüssel und Antwerpen entdeckte er die außergewöhnliche Musiktradition der Niederlande, während die Hofmusiker die neuen Klänge aus Italien wahrnahmen.
Keine Quelle belegt ein Treffen zwischen Frescobaldi und Peeter Cornet, dem Organisten der Erzherzöge. Doch alles deutet darauf hin, dass dieser Dialog stattfand. Beide gehörten derselben Welt an, der Welt der großen fürstlichen Kapellen. Einerseits entwickelte Frescobaldi eine Tonsprache, in der Freiheit, Virtuosität und Ausdruckskraft den Barock vorwegnahmen; andererseits erweiterte Cornet die große flämische Kontrapunkttradition und integrierte italienische Einflüsse.
Um diese beiden Persönlichkeiten scharten sich weitere Erforscher europäischer Musik: Giovanni de Macque mit kühnen Harmonien; Peter Philips, ein im Exil lebender Engländer, der die Niederlande zu seiner Heimat machte; und Abraham van den Kerckhoven, Erbe dieser brillanten Brüsseler Schule. Sie alle zeugen von einer Ära, in der der künstlerische Austausch große Bedeutung hatte. Ein Europa in Bewegung.
Wir hoffen Euch beim Konzert an der wunderschönen und immer wieder faszinierenden Orgel in Ostönnen begrüßen zu dürfen!
Eintritt ist wie immer frei, es wird um eine Spende am Ausgang gebeten.
Bis dahin mit herzlichen Grüßen,
Léon Berben und Helmut Reineke