Zweifellos war den Überlieferungen nach die Dämpfanlage der Molkerei ein echtes Erfolgsmodell. Es war die erste Dämpfanlage im ganzen Kreis Soest zu der Zeit. Im März 1953 wurde während einer Versammlung noch über den Bau einer Dämpfanlage debattiert. Die Anlage sollte mit einem großen ausrangierten Kessel aus der Molkerei betrieben werden und im Jahr zwischen 20.000 und 100.000 Zentner verarbeiten können. Die Finanzierung der Anlage stand zu dem Zeitpunkt schon auf sicheren Beinen.
In Mengen von 30 Zentnern sollen die Kartoffeln durch die Waschanlage und anschließend nach dem Dämpfen wie eine Silage in ein Silo gepackt werden. Im Juni 1953 berichtete die Westfalenpost von begonnenen Bauarbeiten. Ende Oktober 1953 waren bereits 8.000 Zentner Kartoffeln gedämpft. Wie schon zu Beginn der Molkerei ging alles recht zügig.

Aus einem Zeitungsartikel von Oktober 1954 entnehmen wir den Ablauf des Dämpfens, der dort ausführlich beschrieben wird. Die Entlademulde konnte eine Menge von 100 dz in einem aufnehmen. Mit einem Transportband wurden die Kartoffeln zu einer Schnecke und damit weiter zur Waschanlage beförderte.

Von hier aus ging es auf ein turmartiges Gerüst, auf welchem die drei Dämpfbehälter befestigt waren. Der Dampf wurde über isolierte Rohre aus dem Kessel der Molkerei in die Dämpfkessel geleitet. Der eigentliche Dämpfvorgang dauerte nur 20 min. Die Dämpfbehälter wurden zum Schluss auf einer Rutsche entleert und die gedämpften Kartoffeln an dessen Ende durch eine Quetsche gepresst, wobei die Masse direkt wieder auf den Anhängern der Landwirte geladen wurde. Zuhause wurde die Masse vom Landwirt in Silos umgeladen.

Aus den Überlieferungen von Michael Lampe, dem wir auch die Bilder verdanken, standen die Landwirte mit ihren Traktoren auf der alten B1 bis nach Werl und in der anderen Richtung bis nach Ostönnen.
Die tägliche Kapazität lag während der Kampagne bei einem täglichen Betrieb von 10 Std. bei 450 bis 500 dz. Für den Landwirt entstanden für das Dämpfen 0,40 DM pro 50 KG Kartoffeln. Da die Dämpfanlage steuertechnisch nicht zur Molkerei gehörte, wurde für die Dämpfanlage eine Anschlussgenossenschaft gegründet, zu der jeder Nutzer mit einem Genossenschaftsanteil von zwei DM bei einer Haftsumme von fünf DM beitreten musste.
In einer kleinen Feierstunde wurde der 100.000 Zentner Kartoffeln begossen.


Die Dämpfanlage wurde schon 1968 nach 15 erfolgreichen Jahren abgerissen. Zu hoch wären die Investitionen gewesen, um die Anlage weiter wirtschaftlich in Betrieb zu halten. Dazu ging in der Zeit der Kartoffelanbau stetig zurück.
Bilder und mündliche Überlieferung: Michael Lampen.
Quellen Texte: Zeitungsarchiv Alfred Risse, Herausgeber der Zeitungsartikel nicht mehr erkennbar.
