Trotz wechselhaften Wetters ließen sich die Schützen und ihre Gäste das Feiern nicht nehmen. Rund 1.000 Zuschauer verfolgten am Schützenfestsamstag 1975 das traditionelle Vogelschießen in Westönnen. Zwischen strahlendem Sonnenschein und plötzlichen Regenschauern wechselte das Wetter ständig hin und her, doch das tat der Stimmung keinen Abbruch.
Eine besondere Tradition prägte in diesem Jahr den Auftakt: Die ersten beiden Schüsse auf den hölzernen Vogel gab nicht, wie üblich, ein männlicher Schütze ab, sondern die scheidende Königin und die Kaiserin des Jubeljahres 1974. Grund dafür war das Motto des Jahres: „1975 – Das Jahr der Frau“.
Eine Lokalzeitung schrieb damals: „Vielleicht kann etwas mehr Training der Damen in einigen Jahren mal zu einer Sensation führen; nämlich dann, wenn sich die Königin einen König suchen muss.“ Damals als Sensation betitelt, ist dies 50 Jahre später möglich.

Nach einem spannenden Wettbewerb gelang es schließlich Bernhard Kaiser, mit dem 183. Schuss den Vogel von der Stange zu holen. Er wurde unter großem Jubel zum neuen Schützenkönig proklamiert. Als Königin an seiner Seite regierte Christel Schulte.
Auch die heimischen Landwirte feierten kräftig mit. Der Regen hatte ihnen die schwere Entscheidung abgenommen, ob die Gerstenernte Vorrang hat oder nicht. Statt auf dem Feld zu stehen, wurde deshalb „feucht-fröhlich“ in der Schützenhalle getanzt und bis in die Nacht hinein gefeiert.
