Geschichte der Schützenbruderschaft Teil 4
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Genauso wie das Vogelschießen (siehe dritter Teil) gehört das Bier zum Schützenfest, auch schon zu damaliger Zeit. Doch woher kam das Bier? Ein Anruf bei Suermann in Ense wie heute war nicht ausreichend und erst recht nicht möglich.

1856 war W. Waterhoff König in Westönnen. Auf der Ausgabenseite der Bruderschaft standen 20 Ohm Bier (30 Hektoliter) zu Buche.


Das Fest wurde, wie schon erwähnt, mittags früh begonnen und gewöhnlich, vielleicht der mangelhaften Beleuchtung wegen, schon kurz nach Sonnenuntergang beendet.

So heißt es in den Statuten vom 20. Juni 1827:
"Sobald abends die Fahne eingezogen und der Zapfenstreich geschlagen wird, darf kein Bier mehr verzapft werden, und muß sich ein jeder ruhig nach Hause verfügen", und in den Statuten von 1855 heißt es genauer:
"Der Zapfenstreich beginnt an jedem Tag um halb 9 Uhr abends und darf nach Vollendung dessen kein Bier verzapft werden." Das Bier erhielten die Schützenbrüder unentgeltlich von der Bruderschaft. Gebraut wurde es von den Schützenbrüdern selbst. Es gab in damaliger Zeit Bauern, die einen eigenen Braukessel hatten, in denen sie das Bier für ihren Hausbedarf brauten, vor allem für die Erntezeit und den "Hakemai". Bei dem Bier unterschied man zwischen Dünnbier und Hopfen- oder Lagerbier und, um dessen Bitterkeit zu mildern, hauptsächlich für die Frauen, durch Meth (Wasser und Honig) gesüßtes Bier. Die dazu notwendigen Hopfen kaufte die Bruderschaft an.

Die Gerste wurde aber meistens von eigenen oder gepachteten Ländern geerntet. So besaß die Bruderschaft 1782 1,5 Morgen eigenes Land, und 1813 pachtete sie noch 4 Morgen hinzu. Von der geernteten Gerste wurde ein Teil zur Saat verwandt oder verkauft, der andere Teil aber diente zur Bierbereitung, für das die Bruderschaft ungefähr 30 Mütte (76 Pfund) benötigte. Oft zahlten die Schützenbrüder ihren Jahresbeitrag auch in Gerste ab oder erklärten sich bereit, das Bier dafür zu brauen. So heißt es z.B. im alten Rechnungsbuche aus dem Jahre 1775: "theodor Pothoff zahlt ab mit dem Gelübt, alljährlich in seinem Braukessel das nöthige Schützenbier ohnendtgeltlich dem dazu angeordneten Schöffen zu ihrer gelegenen Zeit brauen zu lassen: das ist 1776 von theodor Pothoff widerrufen, weil es zuviel wäre."

Seit dem Jahre 1827 aber wurde zu dem eigenen noch Bier hinzugekauft, so 1839 bei Kloer in Werl 8 Ohm (ca. 150 Liter) und 10 Ohm bei Goebel in Soest, 1842 für 79 Thaler bei Heinert in Soest und 1850 für 71 Thaler bei Wulf in Westönnen, der eine eigene Brau- und Brennerei eingerichtet hatte.

Quellenangaben:
Westhues, Heinrich, Heimatbuch des Kirchspieles Westönnen, Werl-Westönnen, Erscheinungsjahr 1966
Jubiläumsbuch 375 Jahre St. Sebastianus-Schützenbruderschaft Westönnen, Erscheinungsjahr 1999

Von dem oben erwähnten Jubiläumsbuch zum 375-jährigen Jubiläum sind noch einige Exemplare verfügbar. Kontaktadresse: zeppenfeld@westoennen.de

Manfred Zeppenfeld