Das Rorateamt
am 15.12.2006

Zurück

Am 11.12.2004 wurde schon einmal von "Rorateämtern im Advent" berichtet. Was damals geschrieben wurde, soll zum Teil noch einmal aufgenommen werden.
Rorateämter gab es früher in Westönnen nicht. Sie wurden erst von unserem letzten Pfarrer Gotthard Spannenkrebs in unserer Gemeinde eingeführt. Er hatte sie in seiner Jugend in Ostpreußen kennen und lieben gelernt und sie so in unserer Gemeinde eingeführt. Nun werden sie aber in dem neuen Pfarrverbund weiter gepflegt.
Sie werden gerne besucht; die Gotteshäuser sind dann nur durch Kerzenlicht erhellt und dadurch bekommen die Kirchen und die Gottesdienste einen adventlichen Charakter.
Es werden in jedem Jahr drei Rorateämter gefeiert. Hier wird von dem dritten Amt berichtet. Es wurde von einer Gruppe des BDSJ gestaltet, die sich "Die wilden Tiger" nennen. Die Jugendlichen und ihre Betreuer trugen zur Gestaltung des Wortgottesdienstes bei, und mit ihren Musikinstrumenten begleiteten sie den Gesang der Gläubigen. Dafür gab es spontanen Beifall.
Hier soll noch einmal etwas zum Verständnis dieses Brauchtums gesagt werden. Der "Große Herder" von 1955 sagt: "Rorate, die im Advent gefeierten Votivmessen zu Ehren der Gottesmutter Maria".
Votivmessen sind Gottesdienste aus besonderen Anliegen.
In einem alten "Schott Messbuch" heißt es: "Kraft eines besonderen Privilegs darf in manchen deutschen und österreichischen Diözesen im Advent eine besondere Rorate - Messe gehalten werden". Diese Diözesen lagen besonders im Süden und Osten des Landes. Im Westen und Norden Deutschlands waren diese Rorateämter unbekannt.
In der Lesung dieser Messen kommt der Prophet Isaias (Is. 7.10 - 15) aus dem Alten Testament zu Wort, der da sagte: "Seht, die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären, und sein Name wird sein: Emmanuel (= Gott mit uns)".
Im Evangelium (Lk.1.26 - 38) wird nach Lukas die Verkündigung der Geburt Jesu durch den Engel Gabriel verlesen.

  
 
  
In der hier besprochenen Messe, die von dem Vikar van Raay zelebriert wurde, kam der Evangelist Matthäus zu Wort.
Der Vikar zitierte aus Matthäus Kap.1 Vers 20 bis 23 und sprach dann darüber. Aber das muss man erst finden. Da hilft eine Synopse weiter (eine Zusammenschau der Evangelien). Nur der Evangelist Matthäus berichtet, dass dem hl. Josef ein Engel im Traume erscheint und ihn auffordert, Maria nicht zu verlassen. Warum? Da greift sogar Matthäus auf das Alte Testament zurück und zitiert Isaias 7.14: "Siehe, die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären, und man wird seinen Namen Emmanuel nennen, das heißt übersetzt: Gott mit uns". So steht es ja schon weiter oben.
Bleibt noch der Name Rorate. Es ist ein Wort aus der lateinischen Sprache.
"Rorare" heißt "tauen",
"Rorate" ist die Befehlsform (der Imperativ) und bedeutet dann "tauet". Es ist der Anfang des bekannten Adventsliedes: "Tauet, Himmel den Gerechten, Wolken regnet ihn herab!".
Friedrich Schleep