Cäcilia ist Treffpunkt
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Liebe Gemeinde!

Der Pastoralverbund Propstei Werl und Westönnen besteht zwar schon seit dem 1. April 2005, aber so richtig los ging es erst bei der Fronleichnamsprozession und dem anschliessenden Begegnungsfest! Wohl weit mehr als 1000 Gläubige aus beiden Gemeinden hatten sich in Ostuffeln zur Messe eingefunden. Während die ersten Gläubigen schon an der ersten Segensstation standen, zogen die letzten gerade vom Hof in Ostuffeln.

Nach dem Schlusssegen an der Westönner Schützenhalle sprachen stellvertretend für die beiden Pfarrgemeinden St.Cäcilia und St.Walburga Ferdinand Newe vom KV-Westönnen und Friedrich Graf Brühl vom PGR-Propstei. Als Geschenk für die Westönner Kirche wurde die Kopie eines Raffael-Bildes überreicht: Die hl.Cäcilia zwischen vier Heiligen:

Cäcilia ist Treffpunkt! - Das Originalbild von Raffael (1483-1520) hängt in der Pinacoteca Nazionale in Bologna. Es gehört 1514 zu den letzten großen Gemälden des Künstlers: Auf der Erde liegen die weltlichen Musikinstrumente, halbzerbrochen, saitenlos; selbst die fromme Orgel sinkt aus den Händen der hl.Cäcilia! Bekannt ist CÄCILIA (ca.200-230) als Nothelferin und als Patronin der Kirchenmusik. Sie wird im ersten Eucharistischen Hochgebet angerufen.

Eine Legende erzählt von ihrer Hochzeitsfeier: Während die Musikinstrumente erklangen, sang Cäcilia in ihrem Herzen und nur zu Gott gewandt: "Lass, Herr, mein Herz und meinen Körper jungfräulich bleiben, auf dass ich nicht zuschanden werde."

In Raffaels Bild lauschen nun alle dem oben in den Lüften angedeuteten Engelchor. Nur die menschliche Stimme galt der frühen Christenheit als gottgefällig; die lauten Instrumente wurden mit dem Heidentum identifiziert. Deshalb ist bei dieser fast 500 Jahre alten Farbkomposition keine süßlich orgelspielende Heilige dargestellt, sondern die Ursprünglichkeit der Legende ins Bild gebracht worden: Cäcilia entledigt sich des musikalischen Werkzeugs, um mit der eigenen Stimme ganz Werkzeug Gottes zu sein! Dreiteilig ist der Bildaufbau: das Heidnische liegt am Boden, die Heiligen weisen nach oben, und aus dem Himmel kommt die ewige Harmonie!

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) schreibt im Tagebuch seiner „Italienischen Reise“ (1786 bis 1788) über dieses Bild: „Zuerst also die Cäcilia von Raffael! Es ist, was ich zum voraus wußte, nun aber mit Augen sah: er hat eben immer gemacht, was andere zu machen wünschten, und ich möchte jetzt nichts darüber sagen, als daß es von ihm ist. Fünf Heilige nebeneinander, die uns alle nichts angehen, deren Existenz aber so vollkommen dasteht, daß man dem Bilde eine Dauer für die Ewigkeit wünscht, wenn man gleich zufrieden ist, selbst aufgelöst zu werden...

Raffaels Bild, das für uns in Westönnen in nahezu den Originalmassen (238 x 150cm) vom peruanischen Künstler Cesar Augusto in Cusco gemalt worden ist, wurde ursprünglich für eine Kapelle der Aristokratin Elena Duglioli dall’Olio in der Kirche San Giovanni in Monte zu Bologna gemalt.

Die Zusammenstellung der Heiligen ist bei derartigen Aufträgen vom Geschmack und Vorlieben des Auftraggebers abhängig. In der Regel wurden die Namenspatrone der engsten Familienangehörigen auf diese Weise geehrt. Der Bildtyp ist eine "Sacra Conversazione", (ital.: „das heilige Gespräch“), normalerweise nimmt dabei die Gottesmutter mit dem Kind den beherrschenden Platz ein, der hier unserer hl.Cäcilia überlassen wurde: Cäcilia ist Treffpunkt! PAULUS, innerlich erschüttert, stützt sich auf das Schwert – Symbol seines Martyriums; die gefaltete Schrift in seiner Hand deutet das vielfältige Schrifttum des Völkerapostels an! JOHANNES, der Lieblingsjünger Jesu (Joh 21,20: Es war der Jünger, der sich bei jenem Mahl an die Brust Jesu gelehnt und ihn gefragt hatte: Herr, wer ist es, der dich verraten wird?), ist in leisem Gespräch mit dem hl.AUGUSTINUS (354-430), der uns die Dichtung des Te Deum (Gl 257 „Großer Gott, wir loben dich“) geschenkt hat. Die hl.MAGDALENA, die schon in der alten Kirchen den Ehrentitel erhielt „apostola apostolorum“ (Apostelin der Apostel) ist zurückhaltend, fast teilnahmslos abgebildet.

Sie schaut aus dem Bild heraus und nimmt den Betrachter mit hinein (Joh 20,18 „Maria von Magdala ging zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen.“). Ein glücklicher Zufall will es, dass mit dieser Darstellung der "Sacra Conversazione" auch die Magdalenenkapelle unseres Kirchspiels gegenwärtig ist. Cäcilia ist Treffpunkt! Lassen wir uns von ihr einladen, Gott in den Blick zu nehmen!

Dankbar bin ich allen, die durch ihr Engagement unsere Pfarreien zu lebendigen Gemeinden machen und zum Zusammenwachsen beitragen. Dankbar bin ich für die gute Aufnahme unseres Pastoralteams mit Vikar Uwe van Raay, den Gemeindereferentinnen Gabriele Spittmann und Sr.Bernardine Plog, Subsidiar Pfarrdechant i.R. Albert Stratmann und unseren ehrenamtlichen Diakonen Bernhard Tillmann und Michael Fughe in den vielfältigen neuen Aufgaben des Pastoralverbundes.

Dankbar bin ich meinem Vorgänger in Westönnen, Pfarrer i.R. Gotthard Spannenkrebs, der nun in Westenfeld seinen wohlverdienten Ruhestand erlebt und uns ein gut bestelltes Haus hinterlassen hat. Mit Freude blicken wir in die Zukunft: zwei Seminaristen aus unserem Pastoralverbund, Michael Krischer (Propstei) und Patrick Wegener (St.Cäcilia) werden am am 24.6.2006 in Attendorn die hl.Diakonenweihe empfangen!

Cäcilia ist Treffpunkt: Wir sind im Bilde!

Propst Michael Feldmann