Mission in Westönnen
Zwei Andenken aus dem Jahre 1897

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Dieter Holtheuer hat in seinem Archiv zwei Andenken an eine Mission, die in Westönnen im Jahre 1897 gehalten wurde:
Ein gerahmtes Bild in der Größe von 30cm mal 18cm und ein vierseitiges kleines Erinnerungsblatt (8cm mal 13cm) mit strengen Verhaltensregeln.

Das Erinnerungsbild von 1897
 
 
Das Erinnerungsblatt mit Verhaltensregeln

Wenn man das Wort Mission (lat. = Sendung) hört, denkt man wohl zuerst an die Weltmission, so wie auch heute noch der von Westönnen unterstützte Pater Hasler in Indonesien tätig ist. Hier ist aber die so genannte Volksmission gemeint. Heute spricht man auch von Gemeindemission.
Im Grossen Herder kann man Erklärungen darüber finden; im Internet gibt die freie Enzyklopädie, Wikipedia sehr genaue Auskünfte.
Daraus soll hier berichtet werden. Danach stammt der Begriff Volksmission von den Redemptoristen. Der Orden wurde 1792 in Italien vom heiligen Alfons Maria di Liguori gegründet. Die Redemptoristen, aber auch die Jesuiten und andere Orden setzten sich dann in der Volksmission ein.
Es heißt da: "Im katholischen Bereich wird er (der Begriff Volksmission) bis heute für regelmäßige Missionswochen in Pfarreien verwendet, die mit dem Besuch von speziell dafür ausgebildeten Ordensgeistlichen einhergehen, die versuchen, der abnehmenden
Gläubigkeit durch Predigten und Beichtgelegenheit zu begegnen."
Da in unserer Gemeinde in den letzten Jahren keine Rede von Missionen war, wissen wohl viele jüngere Westönner kaum etwas mit diesem Begriff anzufangen. Wie schnell man vergisst! Die letzte Mission war in Westönnen 1999. Gotthardt Spannenkrebs war Pfarrer und die Mission dauerte vom 4.September bis zum 19. September. Sie wurde von den Redemptoristenpatres Franz Mehwald und Wolfgang Gerhard gehalten.
Außerdem steht auf unserem Kirchplatz das so genannte Missionskreuz im Osten der Kirche. Man kommt oft an ihm vorbei ohne vielleicht an seine Bedeutung zu denken, obwohl auf seinem Schaft 12 Jahre genannt werden, in denen Missionen stattfanden. Die Missionen sollten etwa alle zehn Jahre gehalten werden.
Es sind folgende Jahre genannt: 1867, 1887, 1897, 1910, 1921, 1938, 1950, 1961, 1972, 1978, 1987, 1999. Leider sind die beiden letzten Zahlen am unteren Ende der Kreuzes nicht mehr lesbar.
Die Zahl 1867 könnte einen Hinweis auf das Alter des Kreuzes geben; zur neueren Geschichte sind mir einige Einzelheiten bekannt.
Das Kreuz stand ursprünglich in dem Flur der Kirche, der das Ostportal mit dem Westportal verband. Es stand etwa in der Mitte des Ganges an der Nordseite, wo sich heute die Taufkapelle befindet. Es war in dunkeler Farbe gehalten. Eine Kniebank lud zum Gebet ein.
Als unter dem Pfarrer Paul Witte die große Renovierung und Umgestaltung der Kirche von 1965 - 1969 erfolgte, wurde auch der Gang durch die Kirche durch die neue Taufkapelle unterbrochen. Das Kreuz musste weichen. Es fand seine Aufstellung auf dem Kirchplatz. Bei der Gelegenheit wurde das Kreuz heller und freundlicher gestaltet und mit einem Dach gegen die Witterung geschützt.

 
Das Missionskreuz auf dem Kirchplatz mit den Jahreszahlen der Missionen
Missionen sind also auch heute noch möglich, aber sicher nicht in der Form, wie sie uns in den Erinnerungen von 1897 erhalten sind.
Möge jeder das "Andenken an die heilige Mission" genau lesen und sich seine eigenen Gedanken dazu machen.
Wie wichtig man einmal die "Missionen" nahm, geht aus folgender Tatsache hervor:
Im Jahre 1887 fiel in Westönnen und in Mawicke das Schützenfest wegen der Mission aus.
Friedrich Schleep