Hagelfeierprozessionen in Westönnen

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>Die Fronleichnamsprozession ... wurde erst 1870 als Ersatz für die "Hagelfeier-Prozession" eingeführt.< So ist auf der Westönner Webseite zu lesen. Ich weiß leider nicht mehr, aus welcher Quelle diese Information stammte, sie dürfte jedenfalls so nicht unbedingt richtig sein. 

Die "Hauptprozession" der katholischen Kirche ist die Fronleichnamsprozession (von  fron= Herr, liknam=Leib; lateinisch: corpus christi bzw. corpus domini). Eigentlich hat das Fronleichnamsfest mit dem Gründonnerstag zu tun, da aber die Karwoche keine Feierlichkeiten erlaubt, wurde das Fest auf einen Donnerstag am Ende der Osterzeit gelegt. Dieses Fest der "Einsetzung des Altarsakraments" wurde bereits 1246 in  Lüttich begangen, und  1264  als  Kirchenfest  eingeführt. Die erste Prozession nach heutiger Art fand bereits 1279 in Köln statt. Das Konzil von Trient (1545–1563) machte das Fronleichnamsfest zu einem Hauptfest, auch als Gegendemonstration zu den Protestanten, denn  Martin Luther war ein scharfer Gegner des Fronleichnamsfestes; er nannte es das „schädlichste aller Feste“. Oft kam es daher dazu, dass protestantischen Bauern den Mist gerade an Fronleichnam auf die Felder fuhren...

Jedenfalls ist deshalb davon auszugehen, dass auch in Westönnen bereits seit Jahrhunderten die Fronleichnamsprozession begangen wird.

Darüber hinaus gab und gibt es in vielen Pfarrgemeinden unzählige Sonderprozessionen-
 in Westönnen kennt man ja die Brandprozession an Christi Himmelfahrt (Gelübte-/Bittprozession) oder die Wallfahrt nach Werl Ende September.

Die Fronleichnamsprozession (roter Verlauf)  findet am Fronleichnamstag Ende der Osterzeit statt.
Die Brandprozession (schwarzer Verlauf) wird am Tag "Christi Himmelfahrt" gehalten. Sie geht zurück auf ein Gelübde: Am 20. Mai 1829 wurden sechs Bauernhöfe in der Dorfmitte ein Raub der Flammen. 

Bei jeder Prozession werden jeweils 4 Prozessionsstationen angegangen, an denen schön geschmückte "Heiligenhäuschen" stehen. Die Straßen werden mit bunten Fahnen geschmückt.

 

Nun aber zur Hagelfeier-Prozession. In den vergangenen Jahrhunderten kam es öfters zu Hungersnöten infolge von Wetterereignissen, die auch in der vom Pfarrer niedergeschriebenen Dorfchronik festgehalten wurden, z.B. 1766: Überschwemmung in Westönnen,   8.7.1853: Großer Hagelschlag in Westönnen vernichtet die Ernte  oder 1857: Sehr trockener Sommer mit Wassermangel.   Insbesondere der Hagelschlag war sehr gefürchtet!  Solche Ereignisse waren seinerzeit eine Katastrophe- staatliche Unterstützung gab es für den Verlust der Nahrung / des Einkommens kaum. 

Westönner Wallfahrt nach Werl

Nun, schon die heidnischen Germanen versuchten durch Opfer und Fruchtbarkeitsriten die Götter günstig zu stimmen, das Wetter zu beeinflussen, gutes Wachstum herbeizuführen und Schäden von den Feldern fernzuhalten. Schon seinerzeit wurden Flurumgänge gemacht, um die Götter günstig zu stimmen. Nach der Christianisierung wurden diese alten Rituale übernommen und die Flurumgänge wurden zu christlichen Bitt-Flurprozessionen.

Während also das Erntedankfest das Fest ist, wo man nach einer guten Ernte Gott dankt, dass es so geschehen ist,  sollte mit der Hagelfeier-Prozession vor der Ernte Gott um ein gutes Ergebnis gebeten werden.
Bekanntlich ;-)  gibt es ja auch in der Allerheiligenlitanei entsprechende Bitten, z.B. "von Blitz und Ungewitter erlöse uns, o Herr",  "von der Geißel des Erdbebens erlöse uns, o Herr", "von Pest, Hunger und Krieg erlöse uns, o Herr." sowie "Dass Du die Früchte der Erde geben und erhalten wollest-  wir bitten Dich, erhöre uns". 

Dass die Hagelfeier im Juni, meist um den Johannistag, gefeiert wurde, hatte auch seinen Sinn-  das Getreide beginnt zu reifen und außerdem folgt mit dem Siebenschläfertag ein wichtiger Tag für das Wetter der nächsten Wochen, jedenfalls nach den Bauernregeln.
Im Herzogtum Braunschweig war z.B. der 10.Juni sogar offizieller Feiertag als "Bettag vor der Ernte". 

In vielen Pfarrgemeinden sind die Hagelfeier-Prozessionen in den letzten 150 Jahren verschwunden, wie auch manch andere Prozessionen. Vielleicht waren 4 Prozessionen den Westönnern einfach zu viel? Jedenfalls ist anzunehmen, dass die Hagelfeier-Prozession nur weggefallen ist, nicht jedoch durch die Fronleichnam-Prozession ersetzt wurde.  Oder der Wegfall der Prozession hängt auch zusammen mit dem neuen Westönner Pfarrer Franz Mönnig, der 1871 Pfarrer von Westönnen wurde.
Vielleicht weiß ja ein Westönner Heimatkundler Näheres.

Siehe auch folgende Berichte auf westoennen.de:
Erntekatastrophe durch Hagelschlag 1853

Der Siebenschläfertag am 27.Juni

Bericht: Franz Wegener