Kapellen in Bergstraße
Etwas Geschichte

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Die Kapelle in Niederbergstraße dürfte den Bewohnern des Kirchspiels Westönnen bekannt sein. Sie ist so zentral gelegen, dass man sie kaum übersehen kann. Wer mehr von ihr wissen möchte, kann sie besuchen und sollte vor allem die informative Jubiläumsschrift lesen, die im Jahre 2000 erschien. Sie trägt den Titel: "128 Jahre Kapelle St. Maria Magdalena 75 Jahre St. Josephs - Verein Niederbergstraße".
Der Herausgeber ist Hartmut Platte.
Ein paar Angaben: Diese Kapelle wurde 1872 von dem Gutsbesitzer Franz Hagen erbaut. 1925 gründete man den St. Josephs - Verein. Die Familie Hagen übertrug ihre Kapelle in den Besitz dieses Vereins, der seit dieser Zeit die Kapelle unterhält und pflegt.

Die Magdalenenkapelle in Niederbergstraße
Und was ist von einer oder vielleicht auch von zwei früheren Kapellen bekannt?
Als mein Vater (geb. 1884) mit uns Kindern am Sonntag spazieren ging, erzählte er uns, dass früher auf dem Hofe Romberg eine Kapelle gestanden habe. Davon gelesen habe ich erst viel später, und da wird einmal berichtet, dass die Kapelle auf dem Hofe stand und einmal, dass sie neben dem Hofe lag. Jedenfalls gehörten beide zusammen. Die Kapelle war ursprünglich im Besitz der Edelherren von Rüdenberg, den Herren über die gleichnamige Freigrafschaft, die zwischen Werl und Soest lag.¹ Später ging die Grundherrschaft an das Kloster Wedinghausen in Arnsberg über. Dort residierten Prämonstratenser Patres im weißen Habit. Sie waren auch für die Werler Propsteikirche zuständig. Ihr Klostergebäude war die heutige Propstei.
Am 11.Juni 1338 ging das Patronatsrecht über die "alte" Magdalenenkapelle an das Kloster Wedinghausen über. ² Patres aus dem Werler Prämonstratenser Kloster lasen alle vier Wochen eine hl. Messe in Oberbergstraße.
Bis zum Reichsdeputationshauptschluss im Jahre 1803 wurde die alte Kapelle genutzt. In diesem Jahre ging durch die Säkularisation (Verweltlichung kirchlichen Eigentums) auch der Besitz, der zu der Kapelle gehörte, mit dem Kloster Wedinghausen in weltlichen Besitz über.
Von da an ging es offensichtlich schnell und gründlich mit der Kapelle bergab. Schon lange weiß niemand mehr genau, wo die Kapelle stand. Ein Rest des alten Hofes Romberg ist heute noch im Besitz der gleichnamigen Familie. Er liegt in Oberbergstraße an der Kreisstraße 32 und wird von Mietern bewohnt.
   
Rombergs Hof heute

Man weiß, dass die Kapelle sehr alt war und zeitweise mit der Westönner Kirche konkurrierte. Sie musste also auch guten Besitz haben und reiche Einkünfte. Unser Pfarrer Gotthard Spannenkrebs ist der Meinung, dass zeitweise beide Gotteshäuser selbständig waren. Er schreibt in der erwähnten Jubiläumsschrift:
" Zwei Urkunden aus dem Jahre 1288 erwähnen nebeneinander den Pfarrer Johannes aus Westönnen und den Pfarrer Wiegand von Bergstraße." - "Nach einer Urkunde vom 25.Juni 1300 wurden beide Gemeinden zusammengefasst zur Pfarrgemeinde St. Cäcilia in Westönnen."
1803 fiel Westfalen an die Landgrafschaft Hessen - Darmstadt. Aus dieser Zeit berichtet Rudolf Preising in seinem Buch über das Kirchspiel Westönnen eine abenteuerliche Geschichte auf der Seite 32. Danach wollte das Rentamt Arnsberg schon im Jahre 1805 die recht baufällig gewordene Kapelle verkaufen.
Der Generalvikar der Erzdiözese Köln, zu der damals Westönnen gehörte, hätte das genehmigen müssen.
Die Regierung wäre nämlich als Rechtsnachfolger des Klosters Wedinghausen für den Unterhalt der Kapelle zuständig gewesen. Die Bürger von Bergstraße wollten ihre Kapelle erhalten wissen, und der Westönner Pfarrer meldete "seelsorgliche Gründe für die Erhaltung der Kapelle" an. Offensichtlich wusste aber niemand dem Recht Geltung zu verschaffen. Preising meint sogar, man hätte in der kurzen Zeit die Rechte vergessen und die nötigen Unterlagen nicht gefunden. Wann die Kapelle nun genau abgerissen wurde und wo ihre Einrichtung geblieben ist, weiß niemand. Jedenfalls sucht man ihre Eintragung im Urkataster vom November 1828 vergebens.
Und was ist mit einer möglichen zweiten Vorgängerkapelle?
Ältere Einwohner sprachen davon, und Heinrich Westhues schreibt in seinem Heimatbuch:
"Wo hat nun die Kapelle gestanden? Es ist anzunehmen, dass die erste Kapelle an der jetzigen Staßenkreuzung Niederbergstraße, Oberbergstraße und Westönnen gestanden hat, vielleicht da, wo Schulten "Hölzchen" ist (früher Schulte Potthoff, heute Hufelschulte). Die letzte aber soll auf Rombergs Hof gestanden haben."


Schulten "Hölzchen"
Quellen:
Die oben genannte Jubiläumsschrift des Jahres 2000
Heinrich Westhues: Heimatbuch des Kirchspiels Westönnen von 1966
Rudolf Preising: Westönnen Geschichte eines Kirchspiels von 1977
· 1) Seite 12, 2) Seite 31
Werl gestern - heute - morgen von 2002
Friedrich Schleep