Die Station des
hl. Florian III
Die Floriansquelle

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Als die Pfarrgemeinde und mit ihr die Westönner Feuerwehr die Station des hl. Florian übernahm, ging auch eine Quelle in ihren Besitz oder ihre Pflege über. Nachbarn gaben ihr den Namen "Floriansquelle". Der Name ist wohl passend. Gehören doch die Station und die Quelle zusammen. So wurde die Quelle auch von den Helfern der Feuerwehr liebevoll neu gefasst. Die Plastikrohre wurden beseitigt. Das alte Eisenrohr erhielt eine Abdeckung aus Edelstahl und das Wasser fließt durch eine solide und schöne Steinrinne ab.

Nur das Wort Quelle ist nicht ganz richtig. Quellen schafft die Natur. Diese Quelle wurde aber erbohrt, und sie hat ihre eigene Geschichte:
Sie muss etwa nach der Separation (Flurbereinigung) um 1910 erbohrt worden sein. Vorher verliefen schmale Äcker vom östlichen Rand des Dorfes in südöstlicher Richtung bis an die Grenze der Mawicker Feldflur. Mein Vater zeigte mir die Felder. Wenn man darum weiß, kann man den Verlauf heute teilweise noch erkennen. Das kam durch die Art der Bearbeitung. Über Jahrzehnte oder Jahrhunderte hatte man mit dem Stertpflug gearbeitet (norddeutsch für Sterz, Schwanz).


Stertpflug
a) Stert; b) Pflugstock; c) Reister (Streichblech); d) Schar; e) Sech; f) Grindel;
g) Vorpflug; h) Pflugkette; i) Rad; j) Achse; k) Grindelhalter; l) Pflugbrücke; m) Pflugmaul;
Man begann in der Mitte des Ackers und pflügte den Boden immer zur Mitte hin. So wurde der Acker nach und nach in der Mitte etwas höher und fiel zu den Seiten hin ab. An den Feldrainen entstanden so Vertiefungen, die Wasser ableiten konnten. Im vergangenen Jahrhundert wurde der Stertpflug nach und nach vom Kipppflug abgelöst, mit dem sich wesentlich leichter arbeiten ließ.

Kipp- oder Balancepflug
Durch die Separation entstand eine völlig neue Einteilung der Felder; es wurden neue Gräben und Wege angelegt. So erhielt der Bauer Joseph Schulte (1831 - 1920), der auch Rentmeister auf dem Gute Lohe war, eine gute Parzelle zugeteilt, die zwischen folgenden heutigen Wegen liegt: Mawicker Weg, Elwieden, Auf'm Hackenfeld. Die Fläche ist 12 ½ Morgen groß (über drei Hektar). Der Bauer Schulte legte da eine Weide an, die bis 1973 bestand. In diesem Jahre brach Heinrich Meermann diese Wiese um und begann mit dem intensiven Anbau von Gemüse.

Die Weide nach 1960

Weide und Quelle im Winter in den 50er Jahren
Da Joseph Schulte eine Dauerweide angelegt hatte, wollte er auch Wasser für sein Vieh haben und ließ ein Bohrloch anlegen. Dabei war man sehr erfolgreich. Man traf eine Wasserader, die nicht nur die eiserne Wassertränke füllte und überlaufen ließ, sondern
durch ein etwa 15 cm starkes Rohr floss das überschüssige Wasser in den Graben. Der Wasseranfall war so groß, dass die Feuerwehr Übungen an dem Graben abhielt.
Nur in ganz trockenen Sommern reichte der Druck nicht mehr zum Überlauf. Dann setzte man eine Handpumpe auf das Rammrohr, das im Bohrloch steckte.

Anfang der 50er Jahre: Man beachte, die Pumpe läuft sogar über.

Im Allgemeinen sprach man einfach von dem "Bohrloch", aber mein Vater und andere Leute seines Alters sprachen gerne von der "Josephsquelle", weil sie ja von Joseph Schulte erbohrt wurde.
Als die Männer der Feuerwehr den neuen Wasserabfluss gelegt hatten (Mai 2002), haben sie auch das ablaufende Wasser gemessen. In einer Minute lieferte die Quelle 21 Liter Wasser. Das sind an einem Tage drei Kubikmeter.

Wo ist das Wasser geblieben?
Die Fotos im Artikel zeigen ja noch die Ergiebigkeit der Quelle. Auf einem Bild kommt das Wasser sogar oben aus der Pumpe, die auf dem Rammrohr saß. Sie hätte abgeschraubt sein sollen, weil genug Wasser da war. Das dicke Eisenrohr, das das Wasser in den Graben ableitete, war ursprünglich noch fast zwei Meter länger.

Aber wo blieb das Wasser?
Einmal wurden im Laufe der Jahre viele Brunnen gegraben oder erbohrt, so dass sich der Wasserdruck verteilt haben wird.

Und dann geschah Folgendes:
Der Pächter der Wiese hatte die Pumpe entfernt, aber das Rammrohr nicht verschlossen. Kinder, die gerne am Wasser spielen, hatten so viele Steine in das Wasser geworfen, bis das Rammrohr voll war. Als es trockener wurde, und der Pächter eine Pumpe anschließen wollte, ging das nicht. Für das Saugrohr war kein Platz mehr. Der Herr beschimpfte mich, weil ich die Kinder nicht verscheucht hatte und zertrümmerte dann mit einer schweren Eisenstange die oberen Steine. Dadurch wurde das Rohr noch mehr abgedichtet, aber er konnte eine kurze Saugleitung für die Pumpe anbringen.

Dieses Problem stellt sich heute nicht mehr, da auf dem Acker keine Tränke benötigt wird.




Der Abfluss nach der Renovierung

Siehe auch :
Station zum hl. Florian Umgestaltung eines "Heiligenhäuschens" ...mehr
Die Station des hl. Florian II Aus der Geschichte ...mehr

Friedrich Schleep