3. Station der Westönner Brandprozession
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Am Feste Christi Himmelfahrt wird hier in der Gemeinde Westönnen wieder die traditionelle Brandprozession begangen. Das Heiligenhäuschen an der Kreuzung Mawicker Weg / Elwieden dient heute als dritte Station der Prozession.

Im Jahre 1983 wurde die Station vollkommen renoviert. Hierbei stellte sich heraus, dass es sich um eines der ältesten Bildstöcke des Ortes handelt. Er ist aus Grünsandstein des hiesigen Raumes gefertigt. Bekanntlich ist dieser Stein sehr weich und auf Dauer nicht gut wetterbeständig. Aus diesem Grund hat man das Heiligenhäuschen vor etlichen Jahren verputzt. Im Laufe der Zeit hielt auch diese Schutzschicht den Witterungsverhältnissen nicht mehr stand und das Denkmal verfiel mehr und mehr. Erst beim Entfernen der alten Putzschicht wurde erkannt, dass das Hl.-Haus aus dem Jahre 1750 stammt. Nachstehende Inschrift wurde freigelegt:




THOMAS RÜSSE UND ANNA CATHARINA GO... EHELEUTE IN RICKLINGSEN HABEN DIESES ZU EHREN DES ALLERHÖCHSTEN GOT TES UNDT DER ALLERGE BENEDEISTEN JUNGFRAUEN MARIAE SETZEN LASSEN ANNO 1750


Der Stifter hieß also Thomas Rüsse und stammte aus Ricklingsen, dem heutigen Recklingsen - östlich von Welver. Es stellt sich die Frage, aus welchem Grund hat die Familie Rüsse aus Recklingsen ausgerechnet den Bildstock in Westönnen errichtet? Dieses heute noch zu ergründen, ist sehr schwierig, zumal keine Schriftstücke über die Stiftung - wenn überhaupt vorhanden - vorliegen.

Trotzdem konnten einige Fakten aus der Vergangenheit ermittelt werden. Im Archiv der Stadt Werl befindet sich eine Akte über die Zusammenlegung und Begradigung der Westönner Fluren aus den Jahren 1908 bis 1912, die sogenannte Seperation. Hier heißt es unter anderem : " Das dem Fritz Potthoff gt. Schulte zu Oberbergstraße gehörige Heiligenhäuschen ist auf die Einmündung des Weges 73 in die Kreisstraße nach Mawicke gesetzt und steht im Termin des Weges 73."

Dies bedeutet, dass der Bildstock erst seit ca. 1912 an der heutigen Stelle steht. Früher, so wurde berichtet, hat er in der westlichen Feldflur, zwischen Uffeln und Westönnen gestanden. Auch die seit 1829 immer zum Himmelfahrtstag abgehaltene Brandprozession ging bis 1912 einen anderen Weg. Er führte durch die Felder südlich und westlich von Westönnen.

Auf dem Meßtischblatt aus dem Jahre 1840/41 ist noch recht gut der Verlauf der damaligen Wege und der Standort des Denkmals zu erkennen. Da der Standort ja nun nachweislich näher in Richtung Werl lag, klärt sich die Stiftung vermutlich so auf : Der Rüssen - Hof zu Recklingsen war bis Mitte des 19-Jahrhunderts dem Kloster Welver verpflichtet. Laut dem Bördekataster von 1685 mußte er unter anderem, eine Bördenfuhre (= Holz zum Heizen der Salzsiedepfannen) nach Werl liefern.

Wörtlich heißt es im Bördekataster : " 3 Hoep Salt von obged. Holze, tut 1 Bördenfuhr nach Werll und 2 Handdienste ". Vermutlich führte der Weg des Thomas Rüsse für seine Holzfuhren von Recklingsen über die Westönner Wege nach Werl. Es könnte sein, dass bei einer dieser Fahrten ein Unfall geschah und glücklich verlief. Aus Dankbarkeit errichtete dann die Familie Rüsse den Bildstock.

Oder war es ein anderer Grund ? Etwa aus Anlass einer ehelichen Verbindung oder aus Dankbarkeit für eine glückliche Heimkehr ? Vielleicht für die Heilung einer schweren Krankheit oder zur Erfüllung eines Gelübtes. Eventuell auch zu Ehren der Werler Gottesmutter.

Dieter Holtheuer