Spurensuche
Der Maler der zwei alten Altarbilder ist kein Unbekannter mehr

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Am Karsamstag, dem 15.April 2006, fanden zwei alte Altarbilder, die viele Jahre auf dem Kirchenboden gelegen hatten, wieder einen angemessenen Platz in der Kirche. Im Internet wurde am 17.April 2006 darüber berichtet. Der Artikel trägt den Namen:
"Zwei alte Altarbilder Nur den älteren Bürgern können sie noch bekannt sein"
Propst Michael Feldmann war unzufrieden, weil die Bilder wohl mit den Jahreszahlen 1875 und 1876 gezeichnet waren und der Maler sich mit dem Namen F. Laudage vorstellte.
Wer ist oder wer war F. Laudage?
Er bat den Archivar Heinrich Josef Deisting um Hilfe. Deisting konnte schon bald helfen.
In den beiden Lokalzeitungen, dem Anzeiger und der Westfalenpost wurde darüber berichtet.
Ein Bericht aus der Westfalenpost vom 19. Mai 2006 wird an dieser Stelle stellvertretend in das Internet gestellt, um die Berichterstattung abzurunden und die Ergebnisse unseres Stadtarchivars festzuhalten.

     
In Detektivarbeit den Maler der
Altarbilder ausfindig gemacht
Heinrich Josef Deisting recherchierte: Johann Franz Xaver Laudage war der Künstler
WERL-WESTÖNNEN. Zum Osterfest 2006 wurden zwei alte Olgemälde nach erfolgter gründlicher Restaurierung unter der Orgelbühne wieder aufgehängt. Es handelt sich um die ehemaligen Altarbilder der 1875 errichteten beiden Seitenaltäre der Pfarrkirche St. Cäcilia.
Die Bilder sind rückseitig nur mit ,,F. Laudage" bezeichnet. Eine vom Stadtarchivar angestellte Recherche hat nun erwiesen, dass der Paderborner Kirchenmaler Johann Franz Xaver Laudage der Maler der beiden Bilder ist.
Nach einer Quittung im Aktenband 7 des Westönner Pfarrarchivs unterschrieb der ,,Maler Laudage aus Paderborn" am Freitag, dem
13.08.1875 (am 15.08. war Maria Himmelfahrt), für sein ,,Ölgemälde, Maria virg. Immac." 600 Mark erhalten zu haben.
Die Kassenanweisung hatte der damalige Westönner Kirchenvorstand unterschrieben:
Pfarrer Franz Mönnig (1814 -1894), Vikar Heinrich Kaiser (1837 - 1893) und der Landwirt Theodor Rienhoff aus Mawicke (1820 - 1904).
Johann Franz Xaver Laudage wurde am 12.05.1821 in der Bürener St. Nicolauskirche getauft. Seine Eltern waren der Schneider und Altsticker Meinolph Laudage (geboren ca. 1782) und dessen Frau Gertrud geb. Müntefering (geboren ca. 1786). Sie wohnten in Büren, Haus Nr. 172, zu-

sammen mit dem ca. 1761 geborenen Schneider Theodor Müntefering, wohl dem Schwiegervater Laudages und dem achtjährigen Sohn Theodor. In späteren Jahren kamen noch weitere Kinder zur Welt.
Laudage blieb bis ca. 1852/ 58 in seiner Heimatstadt und zog dann nach Paderborn, wo ein katholischer Kirchenma1er sicher ein gutes Auskommen hatte, zumal wenn er - wie Laudage - ledig blieb. Franz Laudage starb am 11.03.1893 in der Bischofsstadt Paderborn.
Bei den wieder sichtbaren, inzwischen mehr als 130 Jahre alten Ölbildern handelt es sich um die Darstellung der Taufe Christi durch den hl. Johannes, über denen die Taube des

H1. Geistes schwebt, sowie um ein Bild der Gottesmutter Maria, die in barocker Manier, angetan mit dem blauen Himmelsmantel, von sieben Engeln (Putti) umschwebt, auf der Mondsichel im goldenen Schein des Himmels steht. Maria hält in ihrer rechten Hand eine weiße Lilie (lilium candidum), nicht wie kürzlich von uns geschrieben ,,einen Blütenzweig".
Die Lilie, so Heinrich Josef Deisting, ist die bevorzugte Marienpflanze, nach dem Hohenlied ,,Lilium inter spinas" - Lilie ohne Dornen. Hier steht die Lilie für die unbefleckte Jungfräulichkeit Mariens und damit ist das Bild eindeutig eine ,,Maria virginis immaculata".

Friedrich Schleep