Kommentar: Die offene Ganztagsschule sollte doch eingerichtet werden!

Zurück     
Kommentar (Achtung: Zwei Sätze wurden etwas geändert...) 
Als Elternteil eines Schulkindes und eines jetzigen Kindertagesstättenkindes möchte ich folgende These zur Diskussion stellen: "
Eine offene Ganztagsschule wird selbst eine Nachfrage auslösen können, die die erforderliche Kinderzahl in Kürze erreichen lässt." *

Was war zuerst da- das Huhn oder das Ei? Darüber streiten sich die Gelehrten, und auf Westönnen angewandt kann man sich fragen: Schafft nur die Nachfrage das Angebot, oder kann auch ein Angebot eine Nachfrage schaffen? 
Der Rat der Stadt Werl geht nur von der Nachfrageseite zu einem Zeitpunkt aus: Entweder 20 Kinder, dann gibt es eine offene Ganztagsschule, ein Kind weniger gibt es keine. 

1. Der gesellschaftliche unumkehrbare  Trend geht eindeutig zu einer ganztägigen Betreuung. 
(Aus dem Werler CDU -Wahlprogramm zur Offenen Ganztagsschule: "Wir... sehen aber auch zunehmenden Bedarf aufgrund von Entwicklungen, die man bedauern, aber nicht aufzuhalten vermag.... Eine Vielfalt von Angeboten nutzt unseren Kindern...." )
Deshalb ist es sinnvoll, schon jetzt, da es möglich ist und auch (noch) Bundes- und Landesmittel zur Verfügung stehen, eine solche Einrichtung zu etablieren. Auch wenn es sich jetzt- zeitpunktbezogen- betriebswirtschaftlich vielleicht nicht ganz rechnen mag, wird dies im Laufe der Zeit gewiss anders aussehen. Investitionen erfordern eine mittel- und langfristige Betrachtung, nicht eine kurzfristige, oder besser gesagt: kurzsichtige
Betrachtung.

2. Die (Einnahmen der )fehlenden drei Kinder stehen im krassen Missverhältnis zu dem Verlust für Westönnen bzw. für die Stadt Werl.  Der Bund hat erhebliche Mittel, tausende Euros, für den Umbau in der Alten Schule angewiesen. 137.000 Euro Fördergelder für drei Werler Grundschulen stehen zur Verfügung, Arbeitsplätze (bekanntlich evtl. für die gekürzten Stellen im Kindergarten) könnten geschaffen werden,  Kinder aus "sozial schwachen Familien" könnte eine pädagogisch wertvolle Betreuung geboten werden, im Sinne von PISA erhielten Kinder eine Förderung, Elternteile erhielten die Möglichkeit zu einer (ausgeweiteten) Berufstätigkeit usw.  Und das alles soll an drei Kinderchen scheitern? 
Vor dem Hintergrund, dass die Stadt Werl erst kürzlich im Schulbereich tausende Euros Fördergelder zurückzahlen musste, weil sie es nicht auf die Reihe bekam, das Geld einer Verwendung zuzuführen, ist diese Rechnung von Politik und Verwaltung mehr als  unverständlich.

3. Es ist doch klar, dass es neben den 17 Eltern auch einige Eltern gibt, die NOCH NICHT das Angebot angenommen haben, das ja bekanntlich auch sehr kurzfristig aufgestellt wurde- vielleicht, weil sie bereits für dieses Jahr anders geplant haben, vielleicht weil sie anders planen mussten, da die Errichtung- wie sich ja jetzt auch bewahrheitet hat- unsicher war. Vielleicht auch, weil das Schulamt den Eltern bekanntlich das Konzept mit Datum vom 11.April  erst Ende Mai zugeschickt hat, vielleicht, weil einige Eltern erst mal abwarten wollten, was denn da genau umgesetzt wird- nicht jede Eltern stellen der Stadt oder dem Träger einen Blankoscheck für die Betreuung ihrer Kinder aus. Auch dafür muss man Verständnis haben und nicht den Schwarzen Peter diesen Eltern zuspielen. ("Dabei ist immer erste Voraussetzung, dass die Eltern mitspielen", so Beigeordneter Broschk).  

Wenn jetzt die Offene Ganztagsschule eingerichtet würde, könnten aber auch die Eltern der jetzigen Kindergartenkinder für das nächste oder übernächste Jahr, also langfristig, mit dieser Ganztagsschule  planen.

Ich sage: Auch ein Angebot, zumal dann, wenn es gut ist, wird sich seine Nachfrage schaffen! Vielleicht nicht heute, aber morgen, mit Sicherheit im Laufe der nächsten Zeit.

Bei der Übermittagsbetreuung gab es eine ähnliche Entwicklung- als das Angebot gestartet wurde, kamen nach und nach immer mehr Kinder hinzu, bis es sogar eine Warteliste gab. Ich gehe davon aus, dass dies sich hier ähnlich entwickeln wird. 
Lapidar zu erklären: "Keine Offene Ganztagsschule in Westönnen" ist ein strategisches Denken, das ich für nicht zielführend halte
*. Das Verlagern auf das nächste Jahr ist nur ein Verschieben des Problems: Auch dann werden wieder zunächst nur 17 Eltern Ja sagen (wenn überhaupt, dann werden bestimmt einige denken: das klappt sowieso nicht), werden wieder einige zunächst zögern. Und die öffentlichen Kassen werden dann noch leerer sein.

Nein, erwartet werden muss von den heimischen Politikern (dafür wurden sie gewählt!) und von der Verwaltung (dafür wird sie bezahlt!) Lösungsmöglichkeiten zu schaffen für eine Übergangsfinanzierung, so lange die drei Kinderchen noch fehlen.  

*Diese beiden Sätze wurde geändert, da sie in der ursprünglichen Fassung offensichtlich zu Missverständnissen geführt haben; Selbstverständlich haben sich insbesondere heimische Politiker, auch der Schulleiter und andere,  bis jetzt (und tun dies auch weiterhin) mit großem Einsatz für die offene Ganztagsschule eingesetzt. Welche Strategie die richtige ist, darüber darf man allerdings geteilter Meinung sein.

Dies ist ein persönlicher Kommentar von  Franz Wegener. Um Meinungsaustausch wird gebeten.