Blicke vom Kirchturm
die heute nicht mehr möglich sind

Zurück

Früher war nicht nur die Kirche den ganzen Tag geöffnet, sondern man konnte auch ohne Mühe den Kirchturm ersteigen.
Wenn die vier Glocken, die damals im Turm hingen, geläutet werden sollten, musste man sowieso den Turm besteigen.
Das elektrische Läutewerk kam ja erst viel später. Für die Glocke, die zum "Engel des Herrn" läutete, galt eine Ausnahme.
Von ihr hing ein langes Tau bis in die Treppe, die zur Orgelbühne führte. Dadurch blieb dem Küster mancher Weg in den Turm erspart. Besonders konnte er von da auch zur Wandlung läuten, was heute durch einen Knopfdruck geschieht.
Die Jungen im Dorfe kannten sich im Kirchturm aus, zumal sie dem Küster beim Läuten helfen durften, wenn mehrere Glocken gleichzeitig erklingen sollten. Damals waren die Schalllöcher geöffnet. Man hatte einen Blick nach allen Seiten und konnte so den Gang der Prozessionen verfolgen und an den entsprechenden Stellen läuten. Während der Gebete an den vier Stationen wurde das Geläut unterbrochen. Heute ist der Weg zum Turm versperrt, und die Schalllöcher sind durch hölzerne Schallrippen teilweise verschlossen, damit das neue Geläut von sieben Glocken nicht zu laut ist.
Türme wurden schon immer gerne aus Ausguck und Wachstationen benutzt. Das habe ich noch erlebt, als ich am 27. Juni 1945 aus der Gefangenschaft entlassen war. Ich wurde sofort zur "Hilfspolizei" eingeteilt, die von den Engländern aufgestellt wurde. Das Land war noch sehr unsicher. Es kam zu Überfällen, Diebstahl und auch Totschlag. Unsere Bewaffnung bestand aus einer weißen Armbinde und einem ordentlichen Eichenknüppel. Waffen durften wir nicht besitzen. Eine Wache bestand immer aus zwei Personen, einem älteren Herrn und einem jungen Burschen. Ich durfte, wenn ich zur Wache eingeteilt war, mit Herrn Kleine (Kohlen Kleine) die Nacht auf dem Kirchturm verbringen. Wir sollten läuten, wenn es im Dorf Unruhe oder Übergriffe gab. Also hatten wir das Dorf zu beobachten. Zum Glück blieb es friedlich; die Glocken konnten schweigen. Das Wachlokal war in Sassen Wohndiele. Mehrere Zweiergruppen durchstreiften das Dorf.

Das alte Bild könnte 1939 entstanden sein. Das halbrunde Schallloch gab den Blick nach Norden frei. Das Bild wurde von einem Freund gemacht. Leider ist aus dem Dachreiter ein "Schiefer Turm" geworden.
Dieses Bild zeigt das Haus Pieper/Schütz und das neue Schwesternhaus, das 1963 fertig gestellt wurde.
Ein Blick in die Bachstraße. Links erkennt man "Die Burg" und rechts die erste Geschäftsstelle der Werler Sparkasse, die man in der leer stehenden Malerwerkstatt der Familie Luhmann eingerichtet hatte.
Friedrich Schleep