Fahnenträger- 
kecke männliche Gesellen?

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Vom 28.Juni bis 30.Juni feiert die St.Hubertus-Schützenbruderschaft in Mawicke, vom 26.Juli bis 28.Juli 2003 die St. Sebastianus- Schützenbruderschaft Westönnen ihr diesjähriges Schützenfest. Beide Bruderschaften haben in ihren Reihen auch einige "Fahnenträger". Diesen "Fahnenträgern" kam insbesondere bei den Söldnerheeren des 30jährigen Krieges eine ganz besondere Aufgabe zu, und deshalb war auch die richtige Auswahl der "Fähnriche" wichtig. Ob die Fahnenträger unserer Bruderschaften, die ja beide während des 30jährigen Krieges gegründet wurden, wissen, in welcher Tradition sie stehen und was von ihnen erwartet wird?

Der Großteil der Heere im dreißigjährigen Krieg bestand neben den Wehrpflichtigen (die allerdings auch Sold erhielten) aus angeworbenen Söldnern. Die Heere waren dabei bunte Haufen. Zum einen nahm man, damit nicht zu viele Arbeitsfähige verloren wurden, für die Wehrpflicht zunächst Arbeitslose, Gefangene usw. "unter die Fahne". Nun, und wer läßt sich schon als Soldat gegen Geld anwerben, wo doch die Wahrscheinlichkeit des Soldatentodes in den damaligen Kriegen sehr hoch war? Wahrscheinlich kaum aus Abenteurerlust, sondern eher aus wirtschaftlicher Not heraus. Oft musste der Söldner sogar seine eigenen Waffen und Kleider mitbringen. Uniformen wurden erst zur Regel, als stehende Heere üblich wurden. Neue Kleidung besorgte sich der Söldner gerne auf dem Schlachtfeld - von Berufsgenossen, die ihre eigene nicht mehr brauchten...


Beim Schützenfest 2002 in Westönnen waren auch Fahnenschwinger mit dabei.

Um in den Schlachten  nun Freund und Feind auseinander zu halten, war deshalb die Fahne besonders wichtig. Jede Einheit - das "Fähnlein" - hatte eine solche Fahne, die praktisch das einzige Identifikationsmerkmal der Truppe war. Den Eid legten die Söldner auch nicht auf ihren Kriegsherren, sondern auf die Fahne ab, daher auch der Begriff "Fahneneid". Oftmals standen auf den Fahnen auch wichtige Zeichen und Losungen, etwa das Legionärsmotto "Pro patria mori - dulce et decorum est" (Süß und ehrenvoll ist es, fürs Vaterland zu sterben) .

Die Fahne wurde von einem Fahnenträger, dem sogenannten "Fähnrich" getragen, von dem erwartet wurde, dass er lieber sterben würde, als die Fahne herzugeben. Er erhielt die Fahne  "als eine Braut und leibliche Tochter" mit folgenden Worten überreicht: 
"Ihr Fähnrich, da befehle ich euch die Fähnlein mit der Bedingung, wann ihr werdet in die Hand geschossen, darin ihr das Fähnlein tragt, dass ihr´s in die andere nehmt, werdet ihr in dieselbe auch geschädigt, so werdet ihr das Fähnlein in´s Maul nehmen. Werdet ihr aber von den Feinden überdrungen, sollt ihr euch darein wickeln und euer Leib und Leben darinnen lassen, ehe ihr euer Fähnlein mit Gewalt nehmen lasset.
Solange das Fähnlein fleucht und in Stück an der Stangen ist, sollen die Kriegsleute dem Fähnrich in den Tod folgen, bis alles über einen Haufen auf der Walstatt lieget".  


Ede Kobbeloer, Fahnenträger der Mawicker Bruderschaaft




Heute gibt es sogar Frauen, die die Fahne tragen...

  

Der Fähnrich genoss deshalb hohes Ansehen innerhalb der Truppe, erhielt auch höheren Sold und wurde oft von Trommlern und Pfeifern begleitet (Schönen Gruß an unsere Spielmannszüge!), war er doch der eigentliche Anführer seiner Truppe, Vorbild und Beispiel. So wundert es nicht, dass an die Persönlichkeit des Fähnrichs selbst hohe Ansprüche gestellt wurden. Er soll, wie es in einer 1565 veröffentlichten Schrift heißt, "ein kecker / mannlicher Gesell / der einen Verstand habe / Kriegserfahren und geübt sey " sein.

Bericht: Franz Wegener