24.Juni 2003:
300 Jahre Vortragekreuz

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Der Fronleichnamstag wurde auch im Kirchspiel Westönnen mit einer Heiligen Eucharistiefeier und einer Prozession begangen. Doch wem war schon bekannt, dass neben Christus im Allerheiligsten Altarssakrament auch ein silbernes Vortragekreuz mitgeführt wurde, das aus dem Jahre 1703 stammt und damit auf eine 300-jährige Geschichte zurückblicken kann?

 

Auf dem Kreuz sind Punzzeichen vorhanden, aus denen zu entnehmen ist, dass ein Goldschmied namens N. Hausier aus Köln es angefertigt hat und dass es wohl am 24.Juni 1703 dem damaligen Westönner Pfarrer Melchior Linnemann zu dessen 25jährigem Priesterjubiläum überreicht wurde. Die daten werden erhärtet durch Unterlagen, die sich im Besitz der Westönner Kirche befinden. Danach wurde im Juni 1703 ein Bote nach Köln geschickt, um das Kreuz dort abzuholen. Sogar eine Rechnung aus dieser zeit ist vorhanden, aus der zu entnehmen ist, dass das Vortragekreuz von der Pfargemeinde St. Cäcilia Westönnen für 85 Reichstaler (etwa vergleichbar mit 6400 Euro) erworben wurde. Der damalige Westönner Pfarrer Linnemann hatte am 5.März 1678 seine Subdiakonatsweihe erhalten und schon kurze Zeit später, am 4.Juni des gleichen Jahres, wurde er zum Priester geweiht.

Zudem war er Benefiziant des Agathaaltares in St. Cäcilien Köln

Pro ECCLESIA PAROCHIALIS S.CAECILIAE in Westonnen fecit N. hausier- A(nn)o 1703, die Junyparchiali s.caeciliae in westoennen fecit n.hausier an 1703 die 24.juny heißt es in der Inschrift.

Auch bei den Prozessionen wird das Kreuz vorhergetragen.

  und trug den Titel eines Lizentiaten der theologischen am Laurentianer- Gymnasium; er war zudem Professor zu Köln. Aufmerksam auf das Kleinod der Pfargemeinde St. Cäcilia Westönnen vor nunmehr 300 Jahren , wurde der Anzeiger durch Ortsvorsteher Willi Sasse gemacht.

Aufgeschlossen zeigte sich auch Pfarer Spannenkrebs, der seit 16 Jahren in Westönnen tätig ist. Er wies darauf hin, dass das silberne Vortragekreuz von ihm und seinen Amtsvorgängern bei Hochfesten der Gemeinde mitgeführt wurde und wird, wie auch jetzt am Fronleichnamstag.  Da es kaum Unterlagen über das 300-jährige Schmuckstück gibt, wurde der Stadtarchivar Heinrich-Josef deisting um "Amtshilfe" gebeten.

Er begutachtete selber das Kreuz und fand jene Punzzeichen, die über den Ort der Entstehung Auskunft gaben.. Deisting fand dann auch in den Westönner Kirchenrechnungen die Kostenrechnung, die belegt, dass für das Kreuz sofort ein Aufbewahrungskasten angeschafft wurde.  Darauf hin schaltete Deisting Dr. Dethlefs vom landesmuseum Münster ein; dieser bestätigte umgehend die Richtigkeit der recherchen des Werler Archivars.
Die Kirche in Westönnen, in der das Vortragekreuz zurzeit im Mittelpunkt steht, ist im Jahr 1823 neu errichtet worden. von der alten inneren Ausstattung ist leider nur wenig erhalten. Die drei Altäre sind neugotisch,  nur die Kanzel hat Teile früherer zeiten bewahrt. Die Kirche hat eine spätgotische Monstranz und jenes Vortragekreuz der Barockzeit aus Silber, 66 cm hoch und 40 cm breit. Es enthält die Inschrift, in der auch die Jahreszahl und das datum der Übergabe vermerkt ist: "Pro ECCLESIA PAROCHIALIS S.CAECILIAE in Westonnen fecit N. hausier- A(nn)o 1703, die Junyparchiali s.caeciliae in westoennen fecit n.hausier an 1703 die 24.juny" .
Das Vortragekreuz ist erstmalig 1907 auf einer kirchlichen Kunstausstellung in Soest der Öffentlichkeit vorgestellt worden.

Dieser Artikel von Anzeiger-Redakteur Klaus Tomicek unter Mitarbeit von Heinrich Josef Deisting erschien am 21. Juni im Werler Anzeiger und wurde uns freundlicherweise von Herrn Tomicek zur Veröffentlichung auf unserer Internet-Seite überlassen. Herzlichen Dank!