Das nähere Umfeld
unserer Kirche

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Das, was in einem früheren Artikel über den Kirchplatz gesagt wurde, gilt genauso für sein Umfeld. Es ist größer, sauberer und schöner geworden. In der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts sind neun Häuser abgebrochen worden. Nur die Scheune der Schulvikarie wurde gleich durch das erste Pfarrheim ersetzt. Wenn man will, kann man das neue Wartehäuschen in Bruchstein als zweiten Neubau zählen.

Doch zuerst zur Kirchstraße, die den Kirchplatz an zwei Seiten umgibt. Sie ist durch die Anlage von Haltebuchten für die Busse und den Bau von Parkplätzen breiter geworden.
Heute kann man sich kaum noch vorstellen, wie dreckig die Straße manchmal war.

Die Kirchbesucher, die über die Breite Straße kamen, nahmen wie selbstverständlich den Weg über den Schulhof. Das bedeutet aber nicht, dass der Schulhof besonders sauber gewesen wäre. Er war auch nur mit schwarzer, dreckiger Kesselasche bedeckt, die man billig bei der Wulfschen Hefefabrik in Werl bekommen konnte. Der Schulhof wurde nur nicht vom Straßenverkehr zerfurcht. Lediglich ein schmaler Fußweg war mit Ziegelsteinen belegt.
Auf ihm wanderten die Lehrpersonen in den Pausen von Ost nach West und umgekehrt. Sie aßen ihr Pausenbrot und hielten gleichzeitig Aufsicht.

   
Die Aula der Westönner Schule                      Das neue Wartehäuschen
  
Kirchstraße 1966 und heute

Die Schüler trugen soviel Schmutz in die Klassen, dass es eine Verfügung gab, nach der die Holzböden zweimal jährlich mit staubbindendem Öl zu streichen waren. Diese Regelung galt für alle Schulen. Das Öl roch penetrant und die Böden waren schwarz und schmierig.

Etwas Gutes hatte diese Zeit. Es gab keine elektrische Klingel. Der Schulleiter bestimmte den Anfang und das Ende der Pausen. Ein Junge durfte die Handglocke auf ein Zeichen hin betätigen. So konnte es leicht sein, dass bei gutem Wetter die Pausen etwas länger ausfielen und bei Regen oder Kälte abgekürzt wurden.

Zurück zum Umfeld: Im Osten des Kirchhofes liegt der Hof Rienhoff/ Holthoff. Da hat sich baulich am wenigsten verändert. In den Ställen gibt es kein Vieh mehr. Der große Garten hat sich in eine Wiese verwandelt, wie man es heute oft sehen kann. Das große Abdach, das weit über den heute asphaltierten Hof reicht, muss schon sehr alt sein. Dort durften die wenigen Bauern, die etwa von Gerlingen oder Bergstraße mit Pferd und Wagen zur Kirche kamen, ihre Kutschen und besonders die Pferde geschützt abstellen.

Im Norden wurden drei Gebäude abgebrochen, die sich nördlich der Kirchstraße befanden. Im Nordosten stand eine große Remise, die zum Hofe Graé gehörte. Daran schloss sich das Haus Fritze an mit einem Stall und einem kleinen Hof. Diese Gebäude waren aus Ziegelsteinen errichtet. Dann folgte ein Fachwerkhaus der Familie Bause, in dem drei Mietparteien wohnten.
Im Westen brach man die Scheune ab, die zum Pfarrhaus gehörte. Sie diente nicht mehr der Landwirtschaft. Der Leichenwagen der Gemeinde, der von zwei Pferden gezogen wurde, hatte da seinen Platz. Gleich neben dem Opferteich, auf dem heutigen Parkplatz, war das landwirtschaftliche Anwesen Coersmeyer. Da war es sehr eng; zwei leichte Pferde fanden auch noch ihren Platz.

Das alte Pfarrhaus, das im heutigen Johann - Kettler - Park stand, wurde 1959 von der Kirchengemeinde an die Gemeinde Westönnen verkauft. Rudolf Preising schreibt, in seinem Buche "Westönnen" von 1977: " Das Pfarrhaus, ein altes schönes Fachwerkhaus, ist heute im städtischen Besitz." Das würde bedeuten, dass das Gebäude 1977 noch im Kettlerpark stand. Es hätte nie abgebrochen werden dürfen, es war ganz sicher ein erhaltenswerter Bau. Auch das Innere des Hauses war beeindruckend.
  
Westönner Kirchstraße von Süden und von Norden

Und so sah die Ecke am Opferteich früher aus, als die Besitzung Coersmeyer noch stand.
Links Coersmeyer und im Hintergrund Kappen (heute "Domhof")

Im Süden war da, wo sich heute ein kleiner Parkplatz befindet, das Haus Nachrichter. Der enge Raum nahm das Wohnhaus, einen Stall und die Werkstatt für den Sattler auf.

oben: Ehemals Nachrichter, heute Parkplatz
rechts: Ehemals Scheune, ab 1957 Pfarrheim

Westlich der Schulvikarie stand das "Armenhaus". Es wurde noch etliche Jahre nach dem Kriege bewohnt.

Östlich der Vikarie befand sich die Scheune des Vikars, die schon 1957 dem Neubau eines Pfarrheimes (eines Jugendheimes) weichen musste.

Siehe auch : Der Kirchplatz       Früher und heute ...
Friedrich Schleep