Die Burg
Das Steinhaus, das Hohe Haus, das Rothe Haus

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Die "Burg" an der Bachstraße heute

Am 30.07.2005 suchte "Argus" durch einen Artikel in der Westfalenpost die Westönner Burg. Sie ist für jemanden, der nicht in Westönnen aufwuchs, tatsächlich kaum zu finden. Es gibt keinen Burgberg, keinen Wassergraben und keine alten Zinnen. Und dennoch gibt es Reste eines alten Adelssitzes. Sie sind es gewiss wert, dass man sie erwähnt; die Fundamente gehören mit Sicherheit zu dem ältesten Westönner Gebäude.
Schon am 02.08.2005 konnte Ralf Rensmann recht ausführlich über die Burg berichten.
Er zitierte weithin Berichte, die er von Ursula Schlünder erhalten hatte. Frau Schlünder wohnt heute in Bergstraße; sie ist sehr interessiert und kundig, da sie auf dem Hofe Hufelschulte aufwuchs, zu dem die Burg gehört.
Die Geschichte der Westönner Burg ist alt und zum Teil lückenhaft. Wer sich informieren möchte, dem seien drei Bücher empfohlen:
"Das Heimatbuch" von Heinrich Westhues von 1966
"Westönnen Geschichte eines Kirchspiels" von Rudolf Preising von 1977
"Geschichte der Stadt Werl" von F.J.Mehler von 1891 Nachdruck von 1971
Etwas zu den Namen: Wenn man "Steinhaus" hört, denkt man zuerst daran, dass das Gebäude aus Bruchstein errichtet wurde, als man allgemein mit Fachwerk baute. Der Name könnte aber auch von einem Besitzer stammen. Er hieß Nagel von Mengede und Steinhaus. Als er 1574 heiratete, brachte seine Frau Katharina nämlich die Wasserburg Steinhausen, die am heutigen "Westhofener Kreuz" lag, mit in die Ehe.
"Hohes Haus" ist leicht zu verstehen. Das Gebäude ist heute noch hoch, aber es war ursprünglich wohl noch höher, und das zu einer Zeit, als im Dorfe die meisten Häuser deutlich niedriger gewesen sein dürften.
"Das Rohte Haus": Der Name wird von Mehler genannt, aber leider nicht erklärt. Nun gibt es Meinungen, die besagen, das Haus wäre mit roten Ziegeln gedeckt gewesen. Westhues will wissen, dass es mit Schiefer eingedeckt war. Der Name stammt möglicher weise auch von Vorbesitzern ab. So nennt Preising in seinem Buche einen Bernhard Theodor Potthoff "zugenannt Rotehauser", der vom Kloster Wedinghausen bei Arnsberg einen Hof kauft, der in Westönnen liegt. Dieser Bernhard Theodor Potthoff findet sich zweimal in den Kirchenbüchern wieder. Einmal "Rotthüser" und einmal Rothüser geschrieben. Er starb 1804.
In diesem Artikel soll die Burg einfach in Wort und Bild vorgestellt werden, so wie sie heute zu sehen ist.
Sie steht an der Bachstraße 9 und dient als Wohnhaus. Für einen Zaun oder einen Vorgarten gibt es keinen Platz mehr. Das Bruchsteinmauerwerk wurde vor Jahren verputzt; es ist durch den Mörtel verdeckt. Ein Eingang führt in den Wohnbereich nach oben und einer in den Keller. An beiden Öffnungen kann man das meterdicke Mauerwerk erkennen.


Der Eingang in den Wohnbereich

Der Kellereingang von innen
Interessant sind die geschmiedeten Maueranker, die noch erhalten und auch gut zu erkennen sind.
Sie zeigen die Buchstaben E F V M. Sie sollen auf den Erbauer Ernst Friedrich von Mengede hinweisen. Auf der Rückseite des Hauses waren in der gleichen Höhe ebenfalls vier Maueranker vorhanden. Leider sind nur noch die beiden mittleren Anker vorhanden oder zu sehen, die als eine 6 und eine 9 geschmiedet wurden. Auf einem alten Bild sind noch alle vier Anker zu sehen, aber nicht mit Sicherheit zu entziffern. Sie sollen die Jahreszahl der Erbauung anzeigen: Nämlich 1695.
Nach Westhues lebte im Jahre 1675 E.G. von Mengede in Westönnen; er soll die jetzige Burg erbaut haben.
Im Laufe der Jahre hatte das Gebäude wohl sehr gelitten. Dazu kam ein Unwetter.
Westhues schreibt: "Im Jahre 1882 hat ein Sturmwind das Dach abgeschlagen und einen Teil der meterdicken Umfassungsmauer mit heruntergerissen. Das schöne Sandsteinportal mit dem von Mengede´schen Wappen fand später an der Gartenseite seinen Platz."
Da ist das Portal heute noch zu finden. Man darf aber wohl davon ausgehen, dass es einmal einen anderen Platz hatte.

Die Rückseite der "Burg"

Das alte Portal mit dem vom Mengedeschen Wappen und den erhaltenen Mauerankern 6 und 9
Wie der Wiederaufbau vonstatten ging, weiß man nicht. Vielleicht wurden neben der Errichtung eines neuen Daches nur die nötigsten Reparaturen durchgeführt.
Westhues sagt: "Um 1850 diente die "alte Burg" hauptsächlich als Scheune und Keller. --- Nur zwei Stuben waren um 1850 bewohnbar."
Zu meiner Jugendzeit wohnten die Familien Vogt, Risse, Dahmen und Wiemhöfer in dem Untergeschoss. In dem Gewölbekeller wurden Schweine gehalten.
Das heutige Aussehen und die derzeitige Nutzung als Wohnraum geht auf den jetzigen Besitzer Heinrich Hufelschulte zurück.
Nach dem Kriege, als Wohnraum sehr knapp war, wurden in dem Obergeschoss noch vier Wohnungen eingerichtet. Zu dem Zweck mussten oben neue Fenster (in kleineren Ausmaßen) in das Mauerwerk gebrochen werden.
  

Die alten Kellergewölbe

Die alten Gewölbekeller aus Bruchstein sind sehenswert. Das Mauerwerk ist meterdick. Oberhalb des Kellers sind die Mauern gleich stark, wenn man das auch nicht sieht.
Die Stockwerke wurden niedriger eingerichtet, als sie ursprünglich waren. Lediglich im Dachbereich hat man dünneres Mauerwerk erstellt. Da wurde auch Fachwerk errichtet. Die Gefache sind mit Ziegelsteinen ausgemauert.


Die Giebelwand in Fachwerk

Der Dachboden
Für die Hilfe, die Martin Hufelschulte geben konnte, möchte ich mich bedanken.
Friedrich Schleep