Ein neuer Westönner Pfarrer 1600

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Anfang der 1980er Jahre wurden im "Treffpunkt" von Dieter Holtheuer einige Geschichtsquellen aus dem Pfarrarchiv niedergeschrieben. Mit freundlicher Unterstützung von Wolfgang Wiemhöfer veröffentlichen wir nun diese Artikel noch einmal via Internet. Die Beiträge sind etwas redaktionell angepasst.

In einigen Wochen verlässt Pfarrer Spannenkrebs die Westönner Pfarrgemeinde. Wie auch immer man zur Kirchengemeinde steht, ist dies ein einschneidendes Datum. Immerhin endet damit eine wohl tausendjährige Zeit, in der Westönnen einen eigenen Pfarrer hatte. Folgender Bericht beschreibt, wie vor 400 Jahren nach dem Tod ("Abgang") eines Westönner Pfarrers ein neuer Pfarrer für Westönnen bestimmt wurde.


"Im heutigen Beitrag wird eine Urkunde vorgestellt, die nicht aus unserem Pfarrarchiv, sondern aus dem Historischen Archiv der Stadt Köln stammt.
Durch das Kölner Cäcilien-Stift geschah wahrscheinlich die Gründung unserer Pfarrei. Es sprechen dafür das Patronat der Hl.Cäcilia in Westönnen und die Tatsache, dass das Kölner Stift in und um Westönnen ausgedehnte Güter besaß. Bis zur Aufhebung des Cäcilien-Stiftes im Jahre 1803 besaß es ferner das Einsetzungsrecht über die Westönner Pfarrer
Die Urkunde links im Bild stammt vom 5.Februar 1600. Sie ist lateinisch geschrieben und beinhaltet die Einsetzung des Pfarrers Paulus Meclerus. 

Sein Vorgänger war von 1563-1600 Petrus Schulte. Sein Name ist übrigens auf der Inschrift unserer ältesten Glocke von 1597, der sogenanten "Bauernglocke", erwähnt. Hier nun ein Regest ("kurze Inhaltsangabe") der Niederschrift:
Im Auftrage der Gräfin Susanna von Brederadt, Äbtissin der Kollegiatskirche St. Cäcilia zu Köln, schreibt der Notar Emond von Binsfeld an den ehrwürdigen und edlen Propst und Archidiakon der Kollegiatkirche zu Soest oder dessen Offizial betreffend Die Präsentation zum Pastorat in Westhunen. Die Äbtissin teilt mit, sie habe die Nachricht erhalten, dass die Pfarrkirche St. Ceciliae zu Westhunen in der Köner Diözese durch den Tod des hochwürdigen Herrn Petrus Schulte verwaist sei und ihr die Praesentation,   dem Probst und Archidiakon der genannten Soester Kirche jedoch die "receptio, admissio seu investitura" (Aufnahme, Zulassung, Einsetzung) des Pfarrers obliege.  Sie präsentiert daher den ehrwürdigen Herrn Paulus Meclerus, Presbyter der Diözese Münster, als würdigen und geeigneten Nachfolger und bittet den Archidiakon, den genannten Meclerus zur Pfarrkirche in Westhunen anzunehmen, zu ihrer Verwaltung zuzulassen, einzusetzen und feierlich zu investieren. Der Präsentationsbrief wird auf Befehl der Äbtissin mit ihrem Siegel bekräftigt.

Am 28.Juni 1616 ist infolge Abberufung und Abgang des Herrn Paul Meclerus der hochwürdige Herr Gerhard Hausen, Kleriker der Kölner Diözese, zum Pastorat der Kirche in Westhunen präsentiert worden. Der letztgenannte Gerhard Hausen war nur bis zum 6.März 1621 Pfarrer in Westönnen und übernahm dann die Pfarrstelle in Menden. Sein Nachfolger wurde Henning Burchartz aus der Diözese Köln."

Bericht: Dieter Holtheuer / Wolfgang Wiemhöfer / Franz Wegener