Gedanken zur Brandprozession

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Vor einigen Tagen fiel mir ein Zeitungsartikel in die Hände. Er trägt kein Datum, der Autor und die Zeitung sind auch nicht zu erkennen. Da heißt es: "Morgen findet die 150. Brandprozession statt." Da kann man wohl annehmen, dass der Bericht im Jahre 1979 geschrieben wurde. Aber so einfach darf man sich die Geschichte der Brandprozession nicht vorstellen. Zweifellos geht sie auf ein Gelübde zurück, das nach dem Brande abgelegt wurde. Aber wann war die erste Prozession? Konnte sie immer gegangen werden? Waren die Wege immer gleich? Was hat sich alles verändert.
In meinen Kindertagen wurde genau zwischen der Brandprozession und der Prozession am Fronleichnamstage unterschieden. Bei schlechtem Wetter konnte die Prozession am Fronleichnamstage schon einmal ausfallen. Die Gebete wurden dann in der Kirche verrichtet.
Aber die Prozession am Tage Christi Himmelfahrt wurde, wenn das Wetter gar zu schlecht war, auf den folgenden Sonntag verlegt. Das war unangenehm für alle Beteiligten. Waren doch alle Arbeiten doppelt zu verrichten. Ich habe auch erlebt, dass der Weg abgekürzt wurde.
Erwähnen sollte man noch die Zeit des Dritten Reiches. Den braunen Machthabern waren die Prozessionen natürlich ein Dorn im Auge. Zu Beginn des Krieges wurde den Anrainern verboten, zu flaggen und die Straßen zu schmücken. Mein Vater hatte wie immer die Fahnen herausgehängt. Dann kam der Ortspolizist (Name bekannt). Er forderte meinen Vater höflich aber bestimmt auf, die Fahnen zu entfernen. Er fügte dann noch etwa hinzu, er möge doch ihm und sich selber keinen vermeidbaren Ärger bereiten. Er solle an seine Arbeit und seine Familie denken. Wortlos, mit knirschenden Zähnen, nahm mein Vater die Fahnen von den Stangen und hängte sie über den Zaun. Das wurde geduldet. Im nächsten Jahre gab es das Problem nicht mehr. Die Prozessionen wurden verboten, angeblich wegen der Gefahr durch feindliche Flugzeuge. Die gefährlichen Tieffliegerangriffe erfolgten aber erst wesentlich später. Da konnte man wirklich nicht mehr auf die Straße gehen.
Wie schon angedeutet wurde, haben sich auch die Wege verändert. Die Straße Elwieden (früher Prozessionsweg) entstand erst im Zuge der Seperation (Flurbereinigung) um das Jahr 1910.
Fragen gibt auch das alte Heiligenhäuschen auf, das heute als dritte Station dient. Es steht da, wo sich der Mawicker Weg und die Straße Elwieden kreuzen. Laut Inschrift wurde es schon 1750 errichtet. Es kann also nicht für die Prozession erbaut worden sein. Diese Station wurde viele Jahre von den Schwestern unserer Gemeinde betreut. Die Kinder, die noch bei ihnen im Kindergarten waren, bildeten dann an der Station ein Spalier und konnten den Handlungen gut folgen.

Das Heiligenhäuschen aus dem Jahr 1750
Eines Tages wurde dann der Segensaltar in den Eingang der Schützenhalle verlegt. Da war noch mehr Platz. Bei Sonnenschein spendeten die Bäume Schatten und bei Regen bot die Halle Schutz. Ich fand noch zwei Bilder aus diesen Tagen.
  
1965 vor der Schützenhalle
Der oben genannte Zeitungsartikel soll noch einmal zu Wort kommen. Er berichtet Fakten, die wohl nicht allgemein bekannt sind. 19 Wohnhäuser und 18 Nebengebäude wurden danach ein Raub der Flammen. "Ein Teil des Viehs verbrannte ebenfalls….Auch viele Vorräte wurden vernichtet."
"Bedauernswert war das Unglück besonders für mehrere Tagelöhnerfamilien, die alles verloren hatten." Ein Kind und zwei Erwachsene wurden schwer verletzt.
"Für die Geschädigten wurde eine Spendenaktion abgehalten, um die erste Not zu lindern. Selbst Spenden aus weiterliegenden Ortschaften, wie zum Beispiel Körbecke, wurden überwiesen."
Der Brand von 1829 nahm bekanntlich seinen Anfang bei der Schmiede Wigger (Breite Straße/Ecke Bruchstraße, früher Wigger, dann Gerling, heute Schulte). Nach dem Artikel soll der richtige Name des Schmiedes Franz Plesgen gewesen sein.
Friedrich Schleep