Tudorfer Pflaster
Reste auf dem Kirchplatz

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Lange bevor die ersten Straßen in Westönnen asphaltiert wurden, war schon ein Teil des Kirchplatzes mit einem schönen, hellgrauen Pflaster befestigt. Die Steine waren nach einem bestimmten Muster sorgfältig verlegt. Es handelte sich besonders um zwei breite Wege, die von den Treppen im Norden des Platzes auf die beiden Eingänge zur Kirche zuführten.

Die Pflasterung muss zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts erfolgt sein. Der Belag war nicht überall eben. Teilweise war er von den Wurzeln der großen Linden angehoben worden, die zahlreich auf dem Kirchplatz standen, und der Untergrund war auch wohl nicht gut verdichtet. Das Pflaster erfüllte dennoch seinen Zweck. Es sah gut aus und trug dazu bei, dass nicht zu viel Dreck in die Kirche getragen wurde.

Dann kam der harte Winter 1953/54. Der Frost war tief in den Boden eingedrungen. Zum Ende des Winters, als sich Frost, Schnee und Tauwetter abwechselten, hielten belgische Truppen in unserem Dorfe ein Manöver ab. Die kaum befestigten Straßen hatten viel zu leiden und waren nachher teilweise unpassierbar. Da sich der Divisionsstab in der Wirtschaft Kappen (Domhof) einquartiert hatte, wurde der Kirchplatz auch stark beschädigt. Man ging gleich daran, die Schäden auszubessern, aber es blieb Flickwerk. Die Steine lösten sich immer wieder und waren dann sogar eine Gefahr für die Fußgänger. Manche Löcher wurden einfach mit Beton geschlossen.

    
    
Reste des Pflasters auf dem Westönner Kirchplatz
Als nach Jahren endlich ein neues Pflaster auf den Kirchplatz kommen sollte, gab es die Auflage, einen Teil des Tudorfer Pflasters in die neuen Wege einzubauen. Damals tauchte erst der Name Tudorf auf, und kaum jemand wusste etwas mit dem Namen anzufangen.
Bei Fahrten durch das Paderborner Land stellte ich dann fest, dass es die Orte Niederntudorf und Oberntudorf gibt und dachte mir, dass unser Pflaster etwas mit diesen Orten zu tun haben müsse. Auch heute dürfte nicht allgemein bekannt sein, woher die Steine kommen. Am Tage des Denkmals im Jahre 2001 fragte ein interessierter Werler Bürger, was die eigenartigen Markierungen am Kirchturm für eine Bedeutung hätten.
Heute können wir uns durch das Internet aufklären lassen. Da heißt es unter www.niederntudorf.de/pflaster :
"Das in Niederntudorf vorkommende Plänerkalkgestein wurde durch die Verarbeitung zu Bau - und Pflastersteinen über die Grenzen Niederntudorfs und des Kreises Paderborn bekannt. Besondere Berühmtheit erlangte das s.g. "Tudorfer Pflaster", welches als Kleinpflasterstein in einem typischen Zickzackmuster verlegt wurde. Dieses Pflaster wurde als Bürgersteigbefestigung in den umliegenden Ortschaften, in der Stadt Paderborn, aber auch im Ruhrgebiet verlegt.
Heute wird das Tudorfer - Pflaster wieder gerne (Wenn der Bauherr die Möglichkeit hat, einige Quadratmeter zu bekommen!) im Kaminzimmer oder in inneren Eingangsbereichen
von Neubauten verlegt!"

Wenn man diese Zeilen liest, wird man sicher nicht erstaunt sein, dass man in Paderborn und in seiner Umgebung dieses Pflaster auch heute noch öfter sieht.

Man kann es aber schon auf dem Platz vor der Werler Basilika bewundern. 1906 wurden die beiden Türme der Kirche fertig gestellt. Wenn man annehmen darf, dass anschließend der Vorplatz gestaltet wurde, so wäre das Pflaster heute fast 100 Jahre alt.

    
Tudorfer Pflaster auf dem Vorplatz der Werler Basilika
Friedrich Schleep