Der Notgraben
Ein Werk von Menschenhand
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Im Dorf gibt es ein Gefälle von Süden nach Norden. Also fließen auch die heimischen Gewässer in diese Richtung. Das galt aber nicht für den wichtigsten Teil des Notgrabens.
Er floss von Westen nach Osten, aber er war ja auch, wie der Name sagt, von Menschen gegraben und zwar für den Notfall. Für den Fall, dass der Westönner Bach zuviel Wasser
führte. Der Bach begann genau zwischen den Grundstücken Fritze (Bruchstraße 4) und Gerke (Bachstraße 24). Dieser Anfang ist heute von einer Garage überbaut.


Anfang des Grabens überbaut

Immer dann, wenn der Wasserspiegel im Westönner Bach eine bestimmte Höhe erreicht hatte, floss ein Teil des Wassers in den Notgraben. Das geschah bis 1954, als der Westönner Bach verrohrt wurde. Von da an hatte der Notgraben seine eigentliche Aufgabe verloren. Er diente fortan nur noch als Abwassergraben und ist heute auf seiner ganzen Länge verrohrt oder einfach mit Erdreich zugeschüttet. Man kann ihn nicht mehr sehen.
Anfang und Ende der Straße "Am Notgraben"
Aber es gibt noch eine Straße, die den Namen " Am Notgraben" trägt. Sie beginnt bei Fritze an der Bruchstraße und mündet wieder in die Bruchstraße ein zwischen den Anliegern Schleep/Anlauf/ Viehstädt und Göbel. Aber finden kann man sie kaum. Weder am Anfang noch am Ende gibt es ein Straßenschild. Dafür ist der Name an der Einfahrt zum Hof Gerke angebracht. Das Schild war im Sommer aber von rankendem Grün verdeckt.
Zum weiteren Verlauf des Grabens: Der Graben war die Grenze zwischen Gerke und Wittenkemper. Dann durchteilte er das Grundstück Wigger/Gerling/Schulte in den bebauten Teil und in den Hausgarten. Wenn die Familie Wigger den eigenen Garten erreichen wollte,
musste sie eine Gasse queren, und über eine Brücke konnte sie den Garten erreichen.

Die verlegte Gasse

Grenze Hering/Grümme, Post
Die Gasse wurde nach Süden verlegt und führt heute am Grundstück Hering (Nr.43) entlang.
Der Bach wurde verrohrt und zugeschüttet. Die Grundstücke haben alle ihren Zugang von der Breite Straße. Schulte hat die Nr. 47. Das Haus Mrosh, das im Garten errichtet wurde, trägt die Nr.45 und der Nachbar Hering hat die Nr.43.

Östlich der Breite Straße teilte der Notgraben wieder die Besitzungen. Zuerst Hoffmeier, die
heutige Bäckerei Wolf und Pieper/Hering, dann Hering und Grümme/Post. Bis vor ein paar Jahren gab es da noch die Hausstelle Risse. Das Haus wurde von Hoffmeier erworben und abgebrochen.

Nach der Unterquerung der Oststraße machte der Graben eine scharfe Wendung nach Norden. Von dort an musste er auch das Wasser der tief liegenden Oststraße aufnehmen.
Er teilte weiter die Grundstücke: Erst die von Senger und Röttger, dann die Gärten von Senger/Mrozinski und Röttger/Topp. Der Graben wurde verrohrt, als die Gärten bebaut wurden.

oben: Grenze Senger, Röttger

rechts: Grenze Mrozinski, Röttger/Topp

Nördlich der Straße Auf'm Hackenfeld hatte der Graben ein tiefes und breites Bett und verlief
neben der Straße Am Börn. Eine Reihe von Apfelbäumen (Schöner aus Boskoop) begleitete ihn.
Der Graben mündete dann gleich hinter dem Waschbörn in den Siepenbach.
Wäre es anders gewesen, hätten die Westönner ihre Wäsche da nicht aufspülen können. Der Notgraben führte meistens nur sehr wenig aber stark verschmutztes Abwasser. Nur bei Hochwasser war das eben anders. Als das Haus Graé 1963 gebaut wurde, ist noch öfter das Wasser in den Keller des Hauses eingedrungen. Alfons Graé hat dann die Verwaltung der Stadt Werl veranlasst, den Durchlass vom Notgraben zum Siepenbach zu vergrößern.
Das ist auch geschehen. Der Durchlass war ursprünglich aus Sandsteinplatten gefertigt.
Dieses Bauwerk wurde beseitigt und durch zwei große Betonrohre ersetzt, die noch an ihrer alten Stelle liegen.
So mündete der Notgraben in den Siepenbach
Als die Kanalisation in Westönnen in den 70er Jahren durchgeführt wurde, verlegte man den Hauptsammler in die Straße Am Börn (Durchmesser 1,70 Meter). Damit wurde der Notgraben endgültig überflüssig. Er wurde ab 1977 mit Erdreich angefüllt. Der breite Streifen Landes, den die Stadt so gewann, wurde den Anliegern zum Kauf oder zur Nutzung angeboten.
So konnten noch die beiden Häuser 2a und 2b Am Börn gebaut werden, was in den ursprünglichen Planungen nicht vorgesehen war.
Friedrich Schleep